Nun ist es schon wieder zweieinhalb Wochen her, dass hier im Blog etwas geschah. Wie es manchmal eben so ist, gab es in den vergangenen Tagen einiges abzuarbeiten und natürlich auch einiges zu schreiben. Vor allem bei unserem Forschungsprojekt „Wissenstransfer aus der SocialBar“ gab es viel zu tun. Zwar begleite ich nebenher auch noch andere interessante Projekte, die dem Bloggen etwas die Zeit nehmen, doch lohnt es sich meines Erachtens einmal über die Online-Zusammenarbeit von Katrin und mir zu berichten.

Google-Wave und die E-Mail

Chrisian Henner-Fehr beschäftigte sich schon vor einiger Zeit mit der Frage, wie sich denn nun dieses Google-Wave-Protokoll konkret einsetzen lässt. Mit dem Zitat Chis Brogans “Google Wave: work on the future” sah er die Möglichkeiten, die Google-Wave bietet, gut beschrieben und der Vermutung, dass die Wave die Mail nicht ablösen wird, kann ich heute auch nur zustimmen. Warum sollte man denn auch über ein neues Protokoll kommunizieren, wenn es doch die E-Mail gibt? Diese nutzen schließlich über 80% der Internetnutzerinnen und -nutzer aller Altersgruppen. Genauso wie das E-Book mit Kindl, iPad und Co das Buch vorerst nicht ersetzen wird, lassen sich auch eingeübte Mediennutzungspraktiken, wie der Versandt von E-Mails, nicht durch die bloße Erweiterung von Möglichkeiten verändern. Und dennoch wäre ich vorsichtig dem Wave-Protokoll ein frühes Ende zu prophezeien. Denn es gibt ja tatsächlich Einiges, das sich damit realisieren lässt.

Google-Wave im Forschungsprojekt

Katrin und ich nutzen bspw. Google-Wave als eine Art ‚Hinterzimmer’ unseres Blogs um Gesprächsnotizen, To-Do-Lists und Texte gemeinsam zu bearbeiten. Wir können uns selten zusammensetzen um am Forschungsprojekt zu arbeiten und sind damit auf Telemedien (hier ist auch das Telefon gemeint) angewiesen.

Gesprächsnotizen

Normaler Weise skypen wir, wenn es um Absprachen geht und halten das, was wir besprechen in einer Wave fest. Natürlich könnten wir auch separat Notizen anlegen, doch zum einen neigen Notizzettel auf meinem immer vollen Schreibtisch zum spurlosen Verschwinden und zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen um ein vielfaches größer, als wenn der oder die jeweils andere in der Wave sieht, was festgehalten wird.

Tatsächlich habe diese Einsatzmöglichkeit einer Wave zu aller erst mit Christian Kreuz ausprobiert. Dabei ging es um Möglichkeiten online-engagierte Freiwillige in dem Projekt Frankfurt Gestallten einzubeziehen. Christian, der zu dieser Zeit irgendwo am anderen Ende der Welt an einem Rechner saß, skypte mit mir und legte gleichzeitig Notizen zu dem an, was wir besprachen. Da ich sah, was Christian schrieb, konnte ich seine Gedankengänge besser nachvollziehen, ggf. etwas richtig stellen und auch URLs oder andere Anmerkungen ergänzen.

To-Do-Listen

Bezüglich der To-Do-Listen gibt es sicherlich auch andere Web-Tools, die dafür nützlich sein könnten. Da wir uns aber auf Google-Wave als ‚Hinterzimmer’ geeinigt hatten, war es nur logisch auch die Aufgabenverteilung in einer Wave zu organisieren. Sicherlich sieht das nicht all zu hübsch aus, doch sind gemeinsam bearbeitbare Listen äußerst praktisch und auch meistens auf einem aktuellen Stand. Normaler Weise nutzen wir farbige Markierungen um mit rotem Hintergrund auf Dringliches hinzuweisen oder erledigtes auf grünem Hintergrund zu markieren (All denen, die jetzt Luft holen um einzuwerfen, dass man Erledigtes auch löschen kann, halte ich entgegen, dass grün eine sehr motivierende Farbe ist, vor allem wenn sie das rot Markierte überwiegt.)

Texte

Auch für die kollaborative Bearbeitung von Texten gibt es sehr gute Tools. Google-Docs wie auch das MS-Office (ab Version 2007) ermöglicht es unter anderem Textdokumente zeitgleich und ortsunabhängig über das Internet zu bearbeiten. Genau so könnten wir unsere Blog-Einträge in einem Wiki erstellen, in dem es zusätzlich noch möglich wäre die einzelnen Änderungen nachzuvollziehen. Doch auch bei der Bearbeitung und Erstellung von Texten bietet Google-Wave klare Vorteile: Auf der einen Seite ist die Administration einer Wave bei weitem nicht so voraussetzungsvoll wie die eines Wikis. Wir brauchen keinen Webspace dafür, müssen uns nicht mir CM-Systemen herumschlagen und sehen kann die Wave auch nur, wer dazu eingeladen ist. Auf der anderen Seite macht es auch einfach Spaß die Dokumentation der letzten SocialBar gemeinsam zu erstellen. Besonders die synchrone Bearbeitung von Texten, lässt — unabhängig vom Ergebnis — schnell das Gefühl aufkommen, tatsächlich zusammen zu arbeiten und die anstehende Aufgabe auch bald gemeistert zu haben – zumal auch Doppeleinträge, wie sie kürzlich im Wikipedia-Artikel zum Bundespräsidenten, durch die Synchronität vermieden werden

Wozu nun also Google-Wave

Es gibt unzählige gute Programme und Progrämmchen, die uns die web-basierte Zusammenarbeit erleichtern können. Jeder kennt sie, die kleinen und großen Tools mit denen man hin und wieder Erstaunliches vollbringen kann. Doch wie in einem großen Bottich mit Vanille-Pudding schwimmend, müssen wir strampeln um nicht unter all dem guten Zeug begraben zu werden. Das macht die Arbeit leider nicht leichter – es macht sie um die Auswahl der richtigen Tools komplizierter.

Im Sinne smarter Web-Anwendungen, die nicht von vornherein bestimmen, was man damit alles machen kann und dem Web als Plattform – also ganz im Sinne des O’Reilly’schen Web 2.0 – ist Google-Wave durch aus nützlich. Es bietet ganz schlicht die Möglichkeit textbasiert und synchron über das Web zusammenzuarbeiten, schreibt dabei aber nicht vor, was das denn genau heißt. Google-Wave bietet uns tatsächlich eine Art kompaktes Hinterzimmer, in dem wir ungestört von technischen Herausforderungen und anderen Usern, die meinen ganz genau zu wissen, wozu eine Wave da ist und wozu nicht, an unseren Aufgaben arbeiten können.