Katja Brendel vom Berliner Stützrad e.V. arbeitet seit 2007 als Landeskoordinatorn im Projekt wellcome und hat sich unser Praxiskompendium zum Management von Online-Volunteers angeschaut. Aus der Perspektive einer Freiwilligenmanagerin unterstreicht sie in ihrer Rezension vor allem den voranschreitenden Wandel im freiwilligen Engagement und die Notwendigkeit, Freiwilligenorganisationen dafür zu rüsten. Katja weist darauf hin, dass der notwendigen Anerkennungskultur schon im “klassischen” Engagement  mithin zu wenig Beachtung geschenkt wird. Durch die Unsichtbarkeit (physische Abwesenheit) der Freiwilligen beim Online-Engagement stellt aber genau das eine der größten Herausforderungen für das Management von Online-Volunteers dar. Für die nächste Auflage mahnt Katja vor allem mehr Praxisbeispiele und eine kritischere Auseinandersetzung mit der Monetarisierungsdebatte an.  Kritik die ich mir natürlich gern annehme.

Bürgerschaftliches Engagement ist vielfältig. Aktuell existieren in Deutschland über 250.000 gemeinnützige Vereine, Stiftungen und Initiativen, die einen substanziellen Beitrag zum Gemeinwesen und Gemeinwohl leisten. Die Spannbreite reicht von großen Gewerkschaften über Umweltschutz- und Bürgerrechtsbewegungen bis hin zu lokalen Sportvereinen, Bürgerstiftungen oder sozialen Einrichtungen. Die Mehrheit dieser Organisationen arbeitet dabei zumindest teilweise mit Freiwilligen zusammen. Dabei geschieht dies nicht voraussetzungslos und ist auch kein Selbstläufer, sondern es bedarf eines professionellen Freiwilligenmanagements in den Organisationen, welche das Tun der Freiwilligen koordiniert und gute Rahmenbedingungen schafft.

Mehr als jeder Dritte ab 14 Jahren übt in Deutschland freiwillig oder ehrenamtlich eine Tätigkeit aus. Dabei unterliegt auch das freiwillige Engagement einem Wandel. Während traditionell eher längerfristige Verpflichtungen damit verbunden wurden, so ist heute ein Trend zu einem zeitlich befristeten, eher projektbezogenem Engagement zu erkennen.

Darüber hinaus ist ein weiterer Trend zu erkennen, der bislang jedoch noch vergleichsweise wenig beachtet wurde: freiwilliges Engagement über das Internet.

Mit diesem Thema setzen sich Hannes Jähnert und Lisa Dittrich in ihrem Handbuch „Management von Online-Volunteers“ auseinander, welches gerade von der Akademie für Ehrenamtlichkeit herausgegeben wurde.

In der knapp 60seitigen Broschüre  setzen sie sich mit Mythen und Vorbehalten zum Online-Freiwilligenarbeit auseinander, die ihrer Meinung dazu geführt haben, dass diese Engagementform in Deutschland – im Gegensatz zur USA oder Kanada – noch vergleichsweise wenig beachtet wird.

Einführend wird festgestellt, dass – und das gilt für jede Form freiwilligen Engagements – klare Leitlinien in einer Organisation zur Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen bestehen müssen. Nur auf dieser Basis lässt sich eine gewinnbringende und zufriedenstellende Zusammenarbeit herstellen. Dabei sollte das steigende Bedürfnis von freiwillig Engagierten nach Offenheit (i.S. der organisationalen Entscheidung mit Freiwilligen zusammen zu arbeiten als auch deren Belange in die Öffentlichkeit zu tragen), Transparenz (i.S. klarer Kommunikations- und Entscheidungswege, klare Zielformulierungen und Policys für alle Mitarbeiter/innen), Responsivität (i.S. unmittelbarer und authentischer Rückmeldungen) und Integration (i.S. laufender Anpassung der Organisation an Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche der Engagierten) beachtet werden. Diese vier Punkte werden daraufhin als Grundvoraussetzungen guter Organisation herausgestellt.

Anschließend werden die Aufgabenbereiche des Freiwilligenmanagements (Definition der Zielgruppe, Klärung der Engagementbereiche, Erarbeitung von Engagementangeboten, Werbung von Ehrenamtlichen, Führen von Erstgesprächen, Treffen von Engagementvereinbarungen, Bindung und Wertschätzung) erläutert, wobei hierbei immer der Frage nachgespürt wird, welche Besonderheiten zu beachten sind, wenn es sich um Online-Freiwillige handelt.

Da diese eben gerade nicht vor Ort in der Organisation tätig sind, ergeben sich einige spezifische Herausforderungen für das Freiwilligenmanagement insbesondere die Bereiche Kommunikation, Einbindung und Wertschätzung betreffend.

Stellen dies schon in “klassischen” Engagementbereichen von Freiwilligen mitunter Organisationen vor Herausforderungen, so wird dies im Kontext von Online-Engagement noch dadurch erschwert, dass die Freiwilligen unsichtbarer sind, da nicht vor Ort und im face-to-face-Kontakt. Ihre Belange und berechtigen Anliegen dennoch stets zu beachten und mitzubedenken ist eine wesentliche Aufgabe des Freiwilligenmanagements.

Wäre das Handbuch keine Drucksache sondern ein Onlinetext, so würde man sich an dieser Stelle über Links zu guten Beispielen freuen.

Für Organisationen, die die Einbindung von Online-Freiwilligen planen, dürften zudem die Ausführungen zum Nutzen von Social Media Policys nützlich sein. Diese werden als sinnvolles Werkzeug, welches neben einer klaren Engagementvereinbarung die Rechte und Pflichten beider Seiten regelt, empfohlen. Dabei haben derartige Policys natürlich nicht nur für die Freiwilligen Geltung, sondern auch für Hauptamtliche Mitarbeiter/innen der Organisation.

Ausgesprochen hilfreich sind im Kontext der Nutzung des Web2.0 auch die Hinweise zu rechtlichen Fragen u.a. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Copyright.

Die Diskussion um die Monetarisierung freiwilligen Engagements wird dagegen nur ganz knapp angerissen. Dies ist wohl auch nicht abschließend gemeint, sondern wohl eher als Aufforderung zu verstehen, sich in die entsprechende Debatte einzubringen.

Last but not least ist den Autor/innen für die Ausführungen zu den Chancen von Online-Volunteering für Menschen mit besonderen Bedarfen zu danken. Das freiwillige Engagement via Internet stellt eine große Chance dar, mehr Menschen mit Behinderungen bürgerschaftliches Engagement zu ermöglichen. Hierfür gilt es die Voraussetzungen weiter zu verbessern.