Als ich Ende Oktober für einen Beitrag auf www.heute.de gefragt wurde, ob die Freiwilligenarbeit über das Internet auch hier in Deutschland langsam Fuß fasst, konnte ich – wieder einmal – nur das übliche sagen: Online-Volunteers findet man in Deutschland vor allem in kleineren, häufig informellen Initiativen, außerhalb etablierter Freiwilligenorganisationen des Dritten Sektors. Das liegt zuweilen daran, dass diese schlicht auf das Internet angewiesen sind, weil sie keine eigenen Räumlichkeiten haben. Bisweilen hängt es aber auch damit zusammen, dass vor allem junge Menschen, die eben diese Initiativen mit ihrem Engagement tragen, das Internet viel häufiger als andere als geeignetes Werkzeug begreifen, mit dem sie effizient miteinander arbeiten und außenstehende Ressourcen einbeziehen können – selbst dann, wenn sie eigene Räumlichkeiten haben. In den (manchmal auch nur  impliziten) Strategien junger Engagement-Initiativen und Social Entrepreneurs hat die Social Media Kommunikation also recht häufig einen festen Platz und Stellenwert, in größeren, bisweilen hierarchisch übermäßig stark strukturierten, Dritt-Sektor-Organisationen dagegen, gibt es immer noch große Widerstände.

Gestiegenes Interesse neuen Wegen zum freiwilligen Engagement

Gleichwohl schien mir das Interesse an der Einbindung Freiwilliger über das Internet auch in etablierten Freiwilligenorganisationen – zumindest dem Gefühl nach – in 2011 deutlicher spürbar, als noch in 2010 oder 2009. In der Tat kann ich mich des Eindrucks schwer zu erwehren, dass das Aussetzen der Wehr- und Zivildienstpflicht eine Art Durchbruch für die aktive Suche nach neuen Wegen zum freiwilligen Engagement darstellte. Obgleich hier (auch wieder dem Gefühl nach) eher auf die kompensatorischen denn die beteiligenden Effekte freiwilligen Engagements geschielt wird, könnte man nun (zugegeben etwas höhnisch) sagen: Die Einsicht kommt spät, aber sie kommt.

Schon seit vielen Jahren wird immer deutlicher, dass sich etwas ändert und die heile Welt des Ehrenamtes nicht so bleibt wie sie ist. Aus der jüngeren Entwicklung sind an dieser Stelle sicherlich Helmut Klages und Thomas Gensicke mit ihrem Wertesurvey als Vorreiter zu nennen (siehe dafür Klages 2001). Darüber hinaus klingt auch der viel zitierte Band von Karin Behr, Reinhard Liebig und Thomas Rauschenbach zum „Strukturwandel des Ehrenamts“ von 2000 auch heute noch wie ein Aufruf, neue Wege für das freiwillige Engagement zu gestalten. Zudem hat auch die von der rot-grünen Bundesregierung 1999 eingesetzte Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ mit ihrer Arbeit Themen auf die Agenda der öffentlichen Diskussion gesetzt, die freiwilliges (oder bürgerschaftliches) Engagement zu einer Art Politikfeld quer durch alle Ressorts avancieren lässt (Speth 2011: 91ff.).

Online-Engagements im DRK

Nun will ich freilich nicht behaupten, dass das Online-Engagement zuvor niemanden interessiert hätte und es jetzt plötzlich in aller Munde wäre. Einerseits ist es immer noch nicht wirklich bekannt und andererseits gab und gibt es in beinahe jeder Organisation irgendjemanden, der oder die für neue Wege des freiwilligen Engagements offen ist. So z.B. Eckard Otte vom Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes. Bereits Ende 2009 kam ich als Referent über Herrn Otte das erste Mal mit dem DRK in Kontakt. Damals sprach ich in Düsseldorf über das Online-Volunteering als „grenzenloses Engagement“ und bekam eine gewisse Skepsis zu spüren. Zwei Jahre und eine Aussetzung der Wehr- und Zivildienstpflicht später wurde ich wieder vom Generalsekretariat des DRK eingeladen (diesmal von Ute Degel). In Münster sprach ich dann vor 150 (engagiert diskutierenden) ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden über freiwilliges Engagement mit Facebook & Co. – eine bemerkenswerte Entwicklung, wie ich finde; eine Entwicklung, der mit der „Münsteraner Erklärung“ Rechnung nun auch getragen werden soll.

Diese „Münsteraner Erklärung“ wurde auf dem „Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit“ des Deutschen Roten Kreuzes vorgestellt und von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschrieben. Auch ich zeichnete diese Erklärung mit, in der m.E. einige wichtige Punkte für das DRK formuliert wurden. So soll das Ehrenamt hier u.a. sozial und kulturell offener und jünger werden und es sollen spontane Engagements möglich gemacht werden – auch über das Internet, ja sogar über das Smartphone … Da dieser Erklärungen allerdings noch Leben eingehaucht werden muss, ist selbstverständlich ein gesundes Maß der Skepsis angebracht. Es wird sich zeigen, ob das DRK seine Ambitionen diesbezüglich in Taten umsetzen kann.

Dass das Online-Volunteering im DRK prinzipiell möglich ist, steht für mich außer Frage. Einerseits berichtete mir Herr Otte bereits in 2009 von seinen ersten Versuchen der Zusammenarbeit mit einem Online-Volunteer und andererseits habe ich letzte Woche zusammen mit Klaus Tembrink – einem engagierten Webmaster aus dem DRK Kreisverband Borken – ein beispielhaftes Produkt Online-Engagement für www.engagiert-im-drk.de auf den Weg gebracht. Leider ist das Produkt – dessen Geschichte ich hier kurz noch erzählen will – wegen technischer Schwierigkeiten mit dem Webserver (höhere Priorität) noch nicht auf der Webseite zu sehen – kommt aber noch.

Online-Volunteering mit „WECK UP“

Es begann mit einem Anruf, der mich vorletzten Donnerstag (17. Nov. 2011) erreichte. Dran war eine junge Frau, die mich für die Sat1-Sendung „WECK UP“ (Sonntagmorgens 8 bis 9 Uhr) als Interviewpartner zur Freiwilligenarbeit über das Internet gewinnen wollte. Sie meinte, es sei ihr ein Anliegen nicht nur in der Theorie zu bleiben, sondern auch etwas Praktisches auszuprobieren – etwas, das man im Fernsehen (Sonntagmorgens auf Sat1) zeigen kann, etwas Bildstarkes mit überregionalem Bezug … ‚Uff‘ dachte ich bei mir, fand die Sache aber zu interessant als dass ich an dieser Stelle schon auf den in diesem Fall doch eher unattraktiven angelsächsischen Sprachraum verweisen wollte. Lieber wollte ich mal ausprobieren, wie ernst es dem DRK eigentlich mit dieser Münsterraner Erklärung ist. Ich erzählte davon und versprach mal den einen oder anderen Kontakt zu bemühen.

Die Sache war freilich denkbar knapp. Der Anruf erreichte mich am Donnerstag vorletzter Woche, kurz bevor ich zu einem Wochenendtrip nach Thüringen aufbrach. Das Interview sollte am Mittwoch vergangener Woche (23. Nov. 2011) geführt / gefilmt / geskyped werden und die Ausstrahlung folgte dann am Sonntag (27. Nov. 2011). So kurzfristig ein „beispielhaftes Online-Engagementangebot mit überregionalem Bezug“ aufzutreiben, dass zudem auch den Sat1-Frühaufsteher an der Mattscheibe halten könnte, war freilich eine große Herausforderung. Doch sind Herausforderungen ja dafür da gemeistert zu werden. In Absprache mit Eckard Otte und Klaus Tembrink strickte ich also ein beispielhaftes Engagementangebot, in dem es darum ging, Bilder von Auslandseinsätzen eines DRK-Freiwilligen (das war in diesem Fall Claus Muchow) für eine barrierefreie Bilderstrecke zu präparieren. Das Engagementangebot in seiner Rohform sah dann so aus:

Attraktivität:

Wollen Sie erfahren, was Freiwillige des Deutschen Roten Kreuzes im Auslandseinsatz machen und uns gleichzeitig bei unserer barrierefreien Internetkommunikation unterstützen?

Ausstattung:

Haben Sie einen Computer mit Internetanschluss, ein Schreib- und ein Bildbearbeitungsprogramm und etwa eine Stunde Zeit?

Dann könnte folgende Aufgabe als “Online-Volunteer” genau das richtige für Sie sein:

Aufgabe:

Formatieren Sie zehn bis 15 Bilder aus unserem Fundus so, dass sie in einer Bilderstrecke zur DRK-Arbeit im Auslandseinsatz dargestellt  werden können (96 dpi / Breite: 1000 pixel)/

Beschriften Sie die Bilder, sodass auch Menschen mit Sehbehinderung erfahren können, was die Freiwilligen des DRK im Ausland tun (Bildinformationen in jeweils einigen kurzen Sätzen in ein extra    Worddokument)

Senden Sie uns Ihr Arbeitsergebnis und erlauben Sie uns Ihre Arbeit auf den Webseiten des DRK zu verbreiten.

Aufwendung:

Wenn Sie mögen wird Ihr Name, wie auch den des Fotografen, immer mit dem fertigen Produkt genannt und ggf. Ihre Webseite verlinkt.

Ansprechpartner:

Interessierte Freiwillige unterstützt Klaus Tembrink DRK, Borken, Röntgenstr. 6, Tel. 02861-8029 337 k.tembrink[at]kv-borken.drk[dot]de

Mittlerweile haben wir natürlich auch schon das fertige Ergebnis, das alsbald von Herrn Tembrink auf www.engagiert-im-drk.de veröffentlicht wird, hier aber auch zu bestaunen sein soll. Euch lade ich an dieser Stelle herzlich ein, unsere „barrierearme Bilderstrecke“ zu testen und fleißig Feedback und Verbesserungsvorschläge in den Kommentaren zu posten. Die Barrieren für Menschen mit Sehbehinderung aus dem Weg zu räumen könnte schließlich eine Aufgabe für sporadisch engagierte Online-Volunteers werden.

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