Kristina Schröder malt sich den Erfolg des Bundesfreiwilligendienstes in großen Lettern auf die Fahnen. Ganz schlecht ist’s wohl auch nicht gelaufen mit den Bufdis, die ich lieber nur hinsichtlich ihres Geschlechts unsensibel „BFDler“ nenne. Die 35.000 Plätze, die die etwa 90.000 Zivis ersetzen sollten, wurden alle besetzt. Mehr noch! Es gibt etwa 45.000 BFDler in Deutschland. Jung und Alt, so scheint es, engagiert sich für ein Taschengeld von etwas mehr als 300,- € im Monat. Eine Erfolgsgeschichte meint Frau Schröder und lässt durchblicken, dass da noch mehr folgen soll. Den Haushaltspolitikern will sie ‚noch mehr‘ Geld abtrotzen, Rentner sollen in den fehlenden KITAS Vogelhäuschen bauen und außerdem und überhaupt …

Frage I: Versorgungslücke?!

Frau Schröder meint, wir haben keine Versorgungslücke, weil die heutigen BFDler das Doppelte der Zeit der ehemaligen Zivildienstleistenden investiert. Ein Nullsummenspiel also. Da der Zivildienst in seiner letzten Fassung nämlich nur noch sechs Monate zum Dienst an der Bettpfanne verpflichtete, sich der gemeine BFDler im Schnitt aber ein ganzes Jahr engagiert, meint die Bundesfamilienministerin keine Versorgungslücke erkennen zu müssen. Dass gut die Hälfte der heutigen BFDler über 27 Jahre alt ist und mindestens in Teilen die Teilzeitregelung (20 Stunden in der Woche) in Anspruch nimmt, rutscht bei Frau Schröder leider unter den Tisch.

Eine Versorgungslücke gibt es also und in einer alternden Gesellschaft wird sie wohl eher größer als kleiner. Außerdem hat „Versorgungslücke“ noch eine zweite Dimension: Der Dritte Sektor wurde über Jahrzehnte mit jungen Männern versorgt, die über den Zivildienst ihre Engagementbiographie starteten und dem freiwilligen Engagement teilweise ein Leben lang treu blieben. Der Bundesfreiwilligendienst setzt nun auf bereits engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich über die Verpflichtung zum BFD ein Taschengeld verdienen können. Mit dieser etwas rückwärtsgewandten Strategie der Engagementförderung wird der Nachschub an Freiwilligen — die Versorgung mit jungen Menschen — also zurückgefahren und eine Lücke in der zweiten Dimension aufgerissen.

Frage II: begrenzte Plätze?!

Die BFD-Plätze sind begrenzt, weil ein Taschengeld gezahlt wird. Das Budget dafür aber wollen „die Haushaltspolitiker der Fraktion“ nicht erhöhen, womit sich Kristina Schröder offenbar genötigt sieht, mehr Geld für ihren BFD zu fordern. Es ist zu erwarten, dass diese Forderung angesichts drängender Probleme wie der flächendeckenden Versorgung mit KITA-Plätzen eher hinten runter fallen wird. Doch der geneigte Zuhörer sollte sich etwas anderes fragen: Wo ist denn das Budget für den Zivildienst geblieben? Die Zivis haben seinerzeit wesentlich mehr als ein Taschengeld bekommen. Angenommen das wäre ‚nur‘ das Doppelte vom heutigen BFD-Sold, könnte man doch eigentlich doppelt so viele BFD-Stellen schaffen, wie es einmal Zivis gab — das wären dann 180.000 Stellen (Eine Zahl für die sich vielleicht auch eine Behörde lohnt). Zumindest die Versorgungslücke der ersten Dimension könnte damit doch geschlossen werden.

Frage III: verdrängte Arbeitsplätze?!

Nein! Selbstverständlich, so Frau Schröder, werden mit dem BFD keine regulären Beschäftigungen verdrängt. Das steht doch im Gesetz! Leider ist mit diesem Gesetz wohl nicht das Gesetz des Marktes gemeint, dem sich auch Nonprofits unterworfen sehen. Gemeint sind lediglich die guten Wünsche einer Wachstums- und Wirtschaftspolitik für den Rest der Menschheit. Es geht ja um den pensionierten Schreinermeister, der Vogelhäuschen baut und den Kindern in der KITA etwas Wertvolles vermittelt: Handwerkskunst und die Gewissheit, dass es außerhalb der Mauern des Bildungs- und Erziehungssystems auch noch richtige Menschen gibt, die keine Pädagogen sind.

Aber der Schreinermeister und die pensionierte Lehrerin sind natürlich tolle Beispiele. Es wäre ja wünschenswert, würden sich schulinterne Engagementformen endlich durchsetzen. Doch wer sich die Lage der Nation so beschaut, dem wird recht schnell Gewahr, dass der Schreinermeister mit den Vogelhäuschen wohl doch eher die Ausnahme ist. Die meisten Freiwilligen engagieren sich in Bereichen, die an ihr persönliches Lebensumfeld andocken; Teenager mit ihren Peers, Eltern in der Schule und der KITA (eher im Elternbeirat als im Garten), Opa engagiert sich im Vereinsvorstand und Oma im Sozialbereich. Genau hier, bei Oma, wird kräftig gespart. Mittlerweile hat man gemerkt, dass effiziente Pflege nach Stoppuhr nicht so das Wahre ist. Deshalb werden Freiwillige eingesetzt, die sich an den Randbereichen engagieren und das Stoppuhrsystem etwas erträglicher machen. Daran aber, dass proportional zum Bedarf mehr Pflegekräfte eingestellt werden, glaube ich nicht.