Vor gut zwei Wochen ist www.slalomplace.de online gegangen. Slalomplace ist die Freestyle Slalom Community Berlins und war — abgesehen vom regen geposte auf Facebook — seit dem Sommer letzten Jahres ohne eigenen Internetauftritt. Ein Relaunch stand an und ich dachte mir, das ist die Gelegenheit, die ZiviCloud einmal für ein ehrenamtliche Website-Projekt auszuprobieren. Webseiten zu erstellen, ist ja eine der naheliegensten Aufgabenfelder beim Online-Volunteering. Ob das aber klappt, ob die Online-Volunteers also die einzelnen Tasks brav erledigen, wollte ich bei diesem Praxis-Projekt herausfinden.

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Die Projektziele

Es ist durchaus sinnvoll Online-Volunteering-Projekte als Lerngelegenheiten zu verstehen. Die ZiviCloud ist genau dafür da! Notwenig für das Lernen sind allerdings Vorstellungen darüber, was man eigentlich lernen will. Wie gesagt, herausfinden wollte ich ganz allgemein, ob und wie sich Webseiten als Online-Volunteering-Projekte mit der ZiviCloud realisieren lassen. Doch zu welchem Zweck? Warum die Webseite nicht einfach in die Welt stellen und der Community zum Geschenk machen? Warum nicht ein bisschen Charity für’s Ego? Die zwei wesentlichen Gründe:

  • Fehlende Ressourcen: Ich habe schon den einen oder anderen WordPress-Blog aufgesetzt. WordPress halte ich für geeignet, wenn es um kleine (auch statische) Webseiten geht. In Sachen Design ist mit einigen wenigen Klicks schon viel getan. Was allerdings die Anpassung über die Standardeinstellungen hinaus anbelangt, was also das betrifft, was die Webseite von der Masse abheben soll, da fehlt mir einfach das Know How. Nun hätte sich Slalomplace natürlich auch ein schönes Template kaufen können; eines das nicht jeder hat. Dafür fehlt aber das Geld. Und auch die Kontakte zu Sponsoren, die hätten helfen können, so etwas zu realisieren, hatten wir nicht.
  • Nachhaltigkeit: Mit dem Blick über das Projekt hinaus war mir klar, dass ich die Webseite nicht ewig pflegen kann und im vollen Umfang auch nicht gar pflegen will. Als „Geschenk an die Community“ aber, wäre sie irgendwie doch immer meine Webseite geblieben. Ein Projekt, das früher oder später hätte eingestampft werden müsste, weil mir eben die Zeit fehlt. Was die Nutzung der Webseite als Kommunikationsplattform — nicht als ‘Community’ — anbelangt befürchtete ich außerdem, dass ja sowieso nur ein kleiner Teich neben dem großen Ozean Facebook angelegt wird, in den die Fische nur dann schwimmen, wenn es ihr Teich ist.

Die Ziele des Projektes also kurz zusammengefasst: Zum einen ging mir darum, herauszufinden, ob und wie die in der Community vorhanden Ressourcen (Zeit, Geld und Know How) zu mobilisieren und so zu bündeln sind, dass sich das Projektvorhaben umsetzen lässt. Zum anderen wollte ich herauszufinden, ob über die Beteiligung von Online-Volunteers der Nutzen und die Nutzung der neue Webseite nachhaltig sicher gestellt werden kann.

Die Herangehensweise

All zu große Sprünge sollte man bei Volunteer-Projekten erfahrungsgemäß nicht erwarten. Es kann passieren, dass die Sache zum Selbstläufer wird und man das Projekt dann ‘nur noch’ koordinieren muss. Das ist dann natürlich schön, wahrscheinlicher ist aber, dass vergleichsweise wenigen Volunteers ein Gros der Arbeit machen. Diese Engagierten gehören dann meist zum harten Kern der Community. Sie sind diejenigen, die in der Szene den Ton angeben und Projekte wie die Erstellung einer neuen Homepage zu ihrem Projekt machen.

Wenn es um Szenen als „posttraditionale Gemeinschaften“ geht ist die Beteiligung der sog. „organisatorischen Eliten“ — jenen, die die Szene mit ihrem Stil und ihren Vorstellungen vom ‘guten’ Miteinander am meisten prägen — unglaublich wichtig, weil ohne sie gar nichts geht. Dementsprechend war die erste Station im Projekt, die Vorstellungen dieses organisatorischen Kerns der Community aufzunehmen — und zwar auch um den Preis, ‘nur’ ihr Wohlwollen, nicht aber ihre komplette menpower zu bekommen.

Die Fragen waren hier eher konzeptioneller Art: Wen soll die Webseite überhaupt ansprechen? In welcher Rangfolge stehen diese Zielgruppen? Welche Funktionalitäten soll es geben? Spielt Social Media eine Rolle und wenn ja welche? Welche (positiven und negativen) Vorbilder gibt es? etc. pp Es ging hier vor allem darum, wie der Stil der Gemeinschaft authentisch wiederzugeben sein könnte. Wie also Konzept und Design gestrickt sein müssen, damit die Community die Webseite auch als eine aus der Szene erkennt und Nutzen.

Mit den konzeptionellen Fragen verknüpft waren auch Aspekte des Projektmanagements. Als Zielgruppe wurden die Freestyle Slalom Skaterinnen und Skater aus Berlin und Brandenburg, interessierte Fußgänger und potentielle Unterstützer definiert. Damit war z.B. klar, dass es für das Projekt eine ‘natürliche’ Deadline gibt: Zum Saisonauftakt muss die Seite im Netz stehen. Außerdem wurden auch gleich Leute genannt, die sich abzeichnende Aufgaben übernehmen konnten und welches Material es dafür schon gibt.

Der zweite Schritt bestand dann darin, die leere Webseite aufzusetzen und einzelne Tasks zu basteln. Im Grunde wäre ein Nebeneinander von Technik und Inhalten möglich gewesen. Ich habe allerdings bald gemerkt, dass ein Nacheinander sinnvoller ist. Zum einen waren unsere Vorstellungen von Konzept und Design der Webseite bei Weitem nicht so klar, dass sie technisch einfach hätten umgesetzt werden können — was, nebenbei gesagt, auch wenig attraktiv für den ehrenamtlichen Programmierer gewesen wäre. Zum anderen war es eine Frage der Responsivität: Wer einen Text für eine Webseite schreibt, die noch gar nicht existiert — die vielleicht auch nie existieren wird — geht ein großes Risiko ein, für die Ablage P zu arbeiten. Viel attraktiver ist es, einen Text für eine Webseite zu schreiben, die schon im Netz steht. Man kann sich das konkrete Arbeitsergebnis bildlich vorstellen und es dauert auch nicht lang, bis man das Produkt anderen zeigen kann. Einzig problematisch daran, die Angst vor dem leeren Blatt…

Die Umsetzung

Der erste Schritt des Projektes bestand im Wesentlichen aus einem ausgiebigen gemeinsamen Brunch. Es wurde geplaudert, was einmal war, was gerade ist und was da vielleicht noch kommen könnte. Wünsche für die neue Saison ließen sich hier recht einfach formulieren. Die Umsetzung des Projektes — meint also die Arbeit die damit verbunden war — war ja noch fern. Es sollte eine einfache, übersichtliche Webseite werden. Im Gegensatz zu anderen Plattformen aus der Szene hell und mit vielen und vor allem großen Bildern. Interessierte Fußgänger (die zweitwichtigste Zielgruppe) sollten sofort wissen, um was es auf der Webseite geht. Außerdem sollte es ein kleines Forum geben, in dem die Trainings, Events und Shows verabredet werden. Bemerkenswerter Weise sollten Facebook, Twitter & Co nicht eingebunden werden…

Für den zweiten Schritt habe ich natürlich versucht, die ZiviCloud für die Kommunikation der Aufgaben — insbesondere der inhaltlichen Tasks — zu organisieren. Das hat nicht wirklich geklappt. Es gab es ganz einfach keinen Grund, sich auf der ZiviCloud für die Erledigung einer Aufgabe zu melden. Viel einfacher war es, mich persönlich anzusprechen. Außerdem waren die Aufgaben, die von Anfang an klar waren — zunächst nur acht an der Zahl — so schnell untereinander aufgeteilt, das ich kaum mit dem Schreiben hinterher kam. Nichtsdestotrotz nutzte ich die ZiviCloud als eine Art Pinnwand, an die ich Aufgaben, die mir noch zu erledigen schienen, anhängte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne diese Pinnwand etwas vergessen hätte, zweifelsohne hat es aber geholfen, passende Engagements parat zu haben. Es hilft tatsächlich Engagementangebote zu veröffentlichen, auch wenn man davon ausgehen muss, dass sie keiner liest. Die Gefahr, sich mit irgendwelchem Kauderwelsch zu blamieren, ist einfach zu groß.

Und so ist es dann auch geschehen, dass ich von gefragt wurde, ob es denn noch etwas zu tun gäbe. Klar! Da ist noch die Galerie; eine kurze Absprache, eine technische Einweisung und dann kann’s los gehen — alles in allem nicht mehr als drei Stunden. Da sind noch die Steckbriefe; Entwurf machen, Dummy testen und dann die Leute über Facebook abklappern — könnte sich ein bisschen hinziehen braucht insgesamt aber nicht mehr als vier Stunden. Da ist auch noch der Flyer auf der Startseite (s.o); Maße 360 mal 380 Pixel, ein Grafikprogramm los geht’s — sollte nicht mehr als 90 Minuten dauern. Das Impressum

Die Evaluation

Zu einem Projekt gehört eine Evaluation. Mein Projekt war, die Webseite www.slalomplace.de mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen online zu bringen und dabei darauf hinzuwirken, dass die Webseite auch genutzt wird. Über die Nutzung lässt sich noch nicht viel sagen. Die Seite steht erst seit zwei Wochen im Netz und erst seit etwa einer Woche gibt es einen Grund im Forum zu schreiben: gutes Wetter bei dem man sich im Park verabreden kann. Die Seitenbesuche allerdings zeigen einen anständigen Start und die Verweildauer weist darauf hin, dass einige der „returning visitors“ die Seite nebenbei laufen lassen, um keine News im Forum zu verpassen. Außerdem — so einige Berichte — scheint die Webseite wieder ein Identifikationsobjekt der Berliner Freestyle Slalom Szene zu werden. Man gehört gern zu Slalomplace und verweist auch auf die gemeinsame Webseite.

Alles in allem also ein guter Start. Die Frage ist nur, ob das mit dem Einbezug der Online-Volunteers zusammenhängt. Tatsächlich waren es ja vergleichsweise wenige Leute, die viele der Aufgaben erledigt haben. Wenn die Bündelung der Ressourcen also gelappt hat, dann vor allem die des harten Kerns der Community. Von den Leuten, die die Angebote der Szene — z.B. die gemeinsamen Sessions in den Berliner Parks, die markierten Spots oder die Video-Tutorials im Netz — eher konsumptiv nutzen, kamen (wenn überhaupt) ‘schlaue Ratschläge’, die bisweilen allerdings auch umgesetzt werden konnten, oder tendenziell fatalistische Einschätzungen (Forum statt Facebook klappt nie), die gekonnt zu übergehen waren.

Ein Abschließendes Urteil lässt sich also m.E. noch nicht formulieren. Für mich steht aber fest, dass die Webseite als ‘Geschenk’ nicht so gut angenommen worden wäre, wie es jetzt den Anschein macht. Einerseits, weil alle, die während des Projektzeitraums einen Beitrag dazu geleistet haben die Seite mindestens auch ein Stück als ihr Projekt ansehen. Andererseits, weil mir für viele der Webseiten-Inkremente (Banner, Texte, Bilder usw.) einfach das Know How oder das Material gefehlt hätten. Hätte ich die Webseite allein gemacht, sähe sie ganz bestimmt anders aus. Ob die Community sie dann überhaupt als ein Teil von ihr erkannt und genutzt hätte, bezweifle ich.

Die Learnings

Auf Google+ hatte ich kürzlich gefragt, ob man dieses Projekt als „furios gescheitert“ betrachten könnte. Zum einen zog es sich über ganze fünf Monate, zum anderen konnte ich nur vergleichsweise wenige Volunteers mobilisieren. Mittlerweile mag ich nicht mehr von Scheitern reden, wenngleich auch ‘furios’ nicht das richtige Attribut für den Projekterfolg ist. Ich habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Engagement des harten Kerns der Community, was die Nachhaltigkeit des Projektes anbelangt, eine gewisse Strahlkraft in die breiten Flatterränder der Szene hatte. Doch wie dem auch sei, statt des Scheiter-Cases hier abschließend ein paar Learnings:

  • Das Involvement der sog. organisatorischen Eliten war in diesem Projekt entscheidend. Ich denke, das lässt sich auch auf andere Community-Projekte übertragen, herausfordernd ist allerdings die Identifikation der Eliten ‘von außen’.
  • So wichtig das Involvement des Szene-Kerns so problematisch die vorschnelle Verteilung der Aufgaben an die „Friends“.Volunteer-Tasks sollten niemals ‘aufgebürdet’, sondern immer aus freien Stücken und im Bewusstsein des Zeitaufwandes angenommen werden. Insbesondere bei Online-Engagements, bei denen es keinen drängelnden Unterton gibt, ist anderenfalls die Prokrastination sehr nah.
  • Tech fist! Gute Rahmenbedingungen für das Online-Engagement, sind u.a. responsiv. Deshalb sollte bei Website-Projekten immer zu erst die Technik stehen und dann die inhaltlichen Tasks verteilt werden.
  • Schreiben bildet! Es nötigt uns zum verständlichen Ausdruck und zu durchdachter Struktur. Volunteer-Tasks zu veröffentlichen hilft uns, sie dann parat zu haben, wenn danach gefragt wird. Über die Funktion als digitale Pinnwand hinaus, war die ZiviCloud in diesem Projekt allerdings nicht weiter nutzbringend. Zu einfach waren die anderen Wege und zu wenig ‘virtuell’ war das Team.
  • Eine ‘natürliche’ Deadline — eine Frist, die sich aus dem Projekt selbst ergibt und nicht ‘künstlich’ gesetzt wird — ist der ultimative Motivator. Wenn sie allerdings verstreicht, ohne dass das Projekt zum (vorzeitigen) Abschluss gebracht werden konnte, wird’s schwierig.
  • Locker bleiben! Nur weil sich das Online- und Micro-Volunteering durch sporadisch, zeitbegrenzte, teilweise schnell zu erledigende Aufgaben auszeichnet, heißt das nicht, dass Online- und Micro-Volunteering Projekte schnell zum Abschluss gebracht werden müssen. Beteiligung braucht Zeit und die sollte man auch mitbringen.

tl;dr: Mit Online-Volunteers Webseiten zu erstellen wirkt nachhaltig und hilft Kompetenzen und Ressourcen zu bündeln. Weniger arbeits- und zeitintensiv macht es Projekte aber nicht.