Jörg Eisfeld-Reschke schrieb unlängst in seinem Blog über Micropayment als mögliche Entlohnung für Contentproduzierende im Internet. Bekannter Maßen ist im Online-Zeitungs- und Verlagswesen mit Bannerwerbung und Anzeigen lang kein Blumentopf mehr zu gewinnen — zumindest kein großer. Abseits der etwas albernen Diskussion um die Beteiligung an den Einnahmen der Suchmaschinen, sehe ich dafür zwei gute Gründe: Es gibt (a) zu viele Möglichkeiten die immer aufdringlicher blinkenden Flash-Animationen zu umsurfen — meine Favoriten sind Readability und RSS-Feeds — und deshalb (b) auch gar keine Notwendigkeit auf werbefreie Bezahlangebote umzustellen. Für mich ganz persönlich ist die Bezahl-Schwelle vor einem Web-Angebot die höchste, die ein Anbieter anlegen kann.

Jörg stellt in seinem Beitrag nun die Frage, ob das Micropayment dieses Dilemma zwischen Geld-Verdienen-Müssen auf der einen und dem kommerziellem Abseits auf der anderen Seite lösen kann. Die Schwelle für einen Web-Artikel Geld zu spenden, das man — im Falle des Kachingle-Systems — sowieso schon für solcherlei Zwecke hinterlegt hat, ist tatsächlich verlockend niedrig … Könnten also — so lautet nun die Frage — Verlage ihre Arbeit durch viele freiwillige Spenden im Cent-Bereich (re)finanzieren, wenn sie nur genügend interessante Inhalte anbieten? Ich bin da skeptisch.

Das Micropayment blüht in der experimentierfreudigen Blogger-Szene. Deren Prinzip ist aber i.d.R. nicht die Profitmaximierung weshalb deren Akteuren wohl auch eher vertraut wird als Bonzen anonymen Managern der oberen Etagen großer Medienkonzerne. Ich vermute, dass wenn man sich bspw. in der Axel Springer AG überhaupt auf die Unsicherheit von freiwilliger Spenden einlässt, dann sicherlich nur als Ergänzung und ohne die Abschaffung oder ernsthafte Reduktion penetranter Flash-Anzeigen, die ich mir, wie gesagt, sowieso nicht anschaue. Das könnte dann letztlich zu einer Art Pilotversuch avancieren, der natürlich von vorn herein zum Scheitern verurteilt wäre …

Ich will hier aber eigentlich gar keine pessimistische Gegenrede zum Potential der Mikropayment-Idee halten. Ganz im Gegenteil! Lieber will ich kurz eine Idee ausbreiten, die mir gekommen ist, als ich mich mit Jörgs Beitrag beschäftigte:

Gern verweise ich in Vorträgen und Seminaren zur Online-Freiwilligenarbeit auf die Engagementmöglichkeit der Berichterstattung mit Social Media Tools. Manche halten solcherlei Online-Engagement vielleicht für verkappte Pressearbeit, ich meine aber, dass dies ein Bereich ist, in dem vielen Freiwilligenorganisationen recht einfach, projektorientiert und flexibel geholfen werden kann. Die Berichterstattung von einem Straßenfest und den dazugehörigen Vor- und Nachbereitungen bspw. ist meiner Ansicht nach eine wirklich smarte Angelegenheit. Weder muss einem Freiwilligen das Amt des oder der Berichterstattenden aufgedrückt werden, noch agieren freiwillig Engagierte als Handlanger im Verborgenen — quasi hinter den Kulissen der Öffentlichkeitsarbeit.

Einen Kiez-Blog zum Beispiel, in dem Anwohnerinnen und Anwohner über ihr Engagement berichten, kleine Storys aus dem Alltag erzählen oder über Sinn und Unsinn (lokal)politischer Entscheidungen nachsinnen, kann ich mir sehr gut vorstellen. Je mehr Freiwillige ein solches Projekt unterstützen würden, desto mehr Beiträge, Kommentare, Bilder und Videos — kurz: Content — könnte dafür generiert werden; desto besser könnte man sich auch mit anderen Blogs vernetzen. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellbar relevanten Content von anderen Blogs — die häufig sowieso unter CC-Lizenz stehen — zu rebloggen. Wobei ich wahrscheinlich trotz CC-Lizenz vorher fragen würde — das gebietet der Anstand.

Mit Blick auf solch hervorragende Beteiligungsplattform wie Frankfurt-Gestalten.de, halte ich eine solche Projekt-Idee für nicht all zu utopisch. Selbstverständlich muss es auch für solche Engagement-Projekte eine Basis von Ehren- und / oder Hauptamtlichen sowie eine entsprechende Anerkennungskultur geben; aber auch das ist nicht unmöglich. Womit ich den Bogen zum Eingangsthema — dem Micropayment — rund zu machen gedenke:

Ich finde, nichts spricht gegen eine monetäre Anerkennung engagierter Nachbarinnen und Nachbarn mit kleinen freiwilligen Geldspenden. Geldspenden, die — wie oben beschrieben — am Anfang (oder in der Mitte) des Monats für solcherlei Zwecke zurück gelegt werden können. Spenden, die auch nicht mit dem Anspruch der (Re)Finanzierung überfrachtet werden, sondern einfach ein kleines Dankeschön an die Autorinnen und Autoren darstellen.

Eine Überlegung, bei der ich allerdings noch nicht weitergekommen bin, betrifft die organisationsinterne Anerkennungskultur via Micropayment. Auch hier halte ich das für eine sinnvolle Sache. Ich frage mich jedoch, wo das persönliche Spenden-Budget der Mitarbeitenden herkommen soll? Vielleicht aus so etwas wie „Schattenhaushalten“ á la Schwarz-Gelb?!