Clouds

Foto by Lel4nd (CC|BY)

Gern halte ich mich auf dem Laufenden. Deshalb sitze ich auch so häufig mit dem Laptop auf dem Schoß in der Gegend herum oder lese morgens in der U-Bahn Tweets und Statusmeldungen wie andere eben ihre Zeitung. Ich durchforste regelmäßig meinen RSS-Reader und verbringe viel zu viel Zeit ‚in meinem Mail-Client’ (anstatt in Facebook oder StudiVZ, wie manche argwöhnen). Um mich über speziellere Themen, wie dem Online- und Micro-Volunteering, auf dem Laufenden zu halten, lasse ich Google Alert auch die letzten Ecken des alten und neuen Internets durchforsten.

Durch den Launch der Micro-Volunteering-Plattform der Extraordinaries (jetzt sparked.com) im Herbst dieses Jahres apportiert der Google-Wecker in letzter Zeit einiges aus Übersee, in dem der Begriff „Micro-Volunteering“ auftaucht. Vieles dreht sich um Ben Rigby, den Co-Founder der Extraordinaries, einiges aber auch um den Streit, ob dieses Hosentaschen-Engagement nun wirklich etwas Neues ist oder nicht. Ist es nicht! M.E. wird der Begriff „Micro-Volunteering“ derzeit etwas inflationär gebraucht, weil mit dem des Online-Volunteerings schon viel zu viele etwas anfangen können. Wie ich schon an anderer Stelle andeutete, halte ich das Micro-Volunteering für eine (konsequente) Weiterentwicklung der Idee skalier- und damit zerlegbaren Online-Engagements.

Damit habe ich eigentlich auch schon meinen hauptsächlichen Kritikpunkt an dem unbedingt verfolgenswerten (!) Micro-Volunteering-Projekt angesprochen, das kürzlich im Blog vom betterplace LAB vorgestellt wurde; die „Intern Cloud“:

Die Interncloud ist eine Plattform, wo NGO´s und Non-Profits verschiedene Aufgaben und Projekte posten, bei deren Erledigung sie Hilfe brauchen. Praktikanten [aus dem Medienbereich] können ihren Fähigkeiten, ihre Zeit und ihren Computer nutzen, um wertvolle Arbeit zu leisten und dabei etwas zu lernen (der eigentliche Sinn eines Praktikums). Das führt zu einem Momentum und einer frischen Motivierung, von der auch die Arbeit bei der eigentlichen Firma des Praktikanten profitiert. Der eigentliche Arbeitgeber kann die neu erlernten Fähigkeiten des Praktikanten nutzen.

Die Idee der Intern Cloud stammt von Jack Orlik (UK), der inspiriert von einigen TEDx Vorträgen, die eigenen Erfahrungen als „ewiger Praktikant“ nutzen will um  Veränderungen zu bewirken. Wie im Zitat deutlich wird, geht es bei der Intern Cloud um ein Webprojket, mit dem Engagementwillige und NPOs zusammen gebracht werden sollen. Die Idee der Intern Cloud Plattform klingt für mich allerdings weniger nach einer herkömmlichen Matching-Plattform für Volunteers, wie vielleicht www.onlinevolunteering.org, www.idealist.org oder www.1-800-volunteer.org als viel mehr nach einem Online-Engagement-Pool — einer Idee, die Brigitte Reiser, Jörg Eisfeld-Reschke und ich hier im Blog auch schon diskutiert haben.

Die Besonderheit dieses Online-Engagement-Pools aber ist, dass er speziell auf eine fachlich abgrenzbare Zielgruppe zugeschnitten wird. Es geht um Praktikantinnen und Praktikanten aus der Medienbranche, nicht, wie ich es einmal vorschlug, um die Volunteers einer einzelnen Organisation. Das ist natürlich insofern pfiffig, als dass man die angehenden Medien-Expertinnen und -Experten bei ihrer (noch frischen) Berufsehre packen und zu Höchstleistungen im Peer-Vergleich anspornen kann.

Schlussendlich werden sich im Rahmen dieses Pilotprojektes sicherlich weniger Engagementangebote finden lassen, die ein Praktikant oder eine Praktikantin an der Bushaltestelle oder im Wartezimmer des Hausarztes erledigen kann, als vielmehr Volunteer-Tasks, die eben über das Internet, vom Arbeitsrechner aus zu leisten sind. Doch an den Engagements für Auftraggeberinnen und Auftraggebern aus dem zivilgesellschaftlichen Bereich werden sich Lernende prima ausprobieren und unter Beweis stellen können, was wiederum recht übliche Momenta des freiwilligen Engagements sind (… um hier noch mal das Zitat aufzugreifen). Ich freue mich auf jeden Fall schon auf weitere Nachrichten aus dem betterplace LAB über den Fortschritt des Pilotprojektes, dass einem Papier, das mir Jack auf Nachfrage kürzlich zuschickte, zu folge, bereits läuft und bis Februar 2011 abgeschlossen werden soll.