Spricht die Zahl der Teilnehmenden an einer NPO-Blogparade und vor allem dem abschließenden NPO-Chat auf Twitter für den Grad der Relevanz des jeweiligen Themas?

Für die NPO-Blogparade gilt, wie für viele Aktivitäten im Kontext Sozialer Medien auch, dass zur Teilnahme „verführt“ werden muss. Nur wer die vielen Einzelnen mit seiner Botschaft anzusprechen vermag, wird zur Verführerin. Wer das nicht vermag, steht allein. Unsere Blogsphären sind keine Gemeinschaften im traditionellen Sinne! Vielmehr sind sie Neo-Tribalismen (nach Michel Maffesoli) oder postmoderne Szenen-Gebilde (nach Ronald Hitzler) – Kommunikationsgemeinschaften, die nur bestehen, wenn und weil sie auf der Bühne des Alltags aufgeführt werden (erklärt Hubert Knoblauch). Die Beteiligung an den einzelnen Themenzirkeln der Blogsphäre – diese vergemeinschaftenden Theaterstücke –, kann, ob der Masse an Alternativen, immer nur subjektiv motiviert sein und beruht schon lang nicht mehr auf übermäßig viel Ehr- und Pflichtgefühl.

Auf den Aufruf zur letzten Runde der NPO-Blogparade sind vier Beiträge und ein Kommentar eingegangen. Einen Beitrag hatte ich zusätzlich eingeholt. Eigentlich nicht Regelkonform! Mit dem Tagungsbericht aus Loccum wollte sich Matthias Darberstiel eigentlich gar nicht an der NPO-Blogparade beteiligen. Aber was bedeuten schon Regeln in einer derart fluiden Gemeinschaft? Lag die eher geringe Resonanz (es gab auch schon NPO-Blogparaden mit weniger Beiträgen), wie @elternansnetz während des NPO-Chats meinte, am akademischen Duktus unserer Runde? War es vielleicht wirklich #zuvieltheorie oder eher #zuvieltext?

elternansnetz: Okay haben mal in #npochat reingesehen – ichweiss nicht, kann man da nicht mal eine gemeinsame Onlinsitzung machen? #zuvieltheorien

Tatsächlich hatten wir schon mehrfach überlegt, die einzelnen Runden der NPO-Blogparade mit einer Online-Sitzung, einen separaten Chat oder eine Video-Konferenz abzuschließen – zuletzt nach dem @hirnrinde während eines NPO-Chats kommentierte, solch ein Chat auf Twitter sei wie lautes Telefonieren in der Kirche (oder so ähnlich). Ich persönlich könnte dem auch Einiges abgewinnen, vor allem bessere Möglichkeiten der Moderation und des Aufeinander-Eingehens, wie es bspw. der Treffpunkt Kulturmanagement vor macht. Meine Befürchtung dabei ist aber, dass auch wir damit einen exkludierenden Damm errichten, der uns potentielle Teilnehmende nicht in ihrer alltäglichen Lebenswelt, dem Twittervers, abholen lässt. Was übrigens auf eine Kritik verweist, die (nicht nur) ich immer wieder an traditionelle NPOs richte.

Nun haben wir – zumindest in der vergangenen Runde – offenbar dennoch einen Damm errichtet. Bei den aktiven Partizipanten konnte ich mich in einem einzigen Tweet bedanken.

foulder: #ff to @Haddenbuck @npo_vernetzt, @stefan_zo, @meyner, @weltbeweger, @staranov, @pluralog, @Steffenster, @elternansnetz & @soz_in #npochat

Dass dieser Damm aber aus der Masse des Textes oder dem theoretischen Duktus bestand, bezweifle ich stark. Zum einen war Gerald Czech gar nicht dabei 🙂 und zum anderen, umfasst die Dokumentation des NPO-Chats zu echter Partizipation gerade einmal 143 Tweets auf kaum acht Seiten. Eine durchaus zumutbare Menge. Ich glaube viel eher, dass ich mit dem Thema „echte Partizipation fördern“ nur wenige zum Mit-Diskutieren verführen konnte, was mich eben zu der oben gestellten Frage zurück führt: Spricht die Zahl der Teilnehmenden für die Relevanz des Themas? Ist „echte“ Partizipation kein relevantes Thema für die Netz-Aktiven? Sieht die Masse der Bloggerinnen und Blogger überhaupt ein Partizipationsdefizit oder wurde gar die Hoffnung, das alte System noch partizipativ umgestalten zu können bereits aufgegeben?

Ich persönlich glaube, dass wir es hier mit der Veränderungsresistenz menschlichen Alltags zu tun haben. Ich bin davon überzeugt, dass sich auch Netz-Aktive hin und wieder mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten wünschen. Durch die vielfältig vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten aber, die vor allem versierten Nutzerinnen und Nutern des Social Webs geboten wird, fallen Defizite bürgergesellschaftlicher Gestaltungsmöglichkeiten des physischen Umfeldes (außerhalb der eigenen vier Wände) gar nicht mehr so auf. Es ist sicherlich nicht so, dass das Problem überhaupt nicht gesehen wird. Offenbar hat es im Alltag unserer Zielgruppe nur eben nicht den Stellenwert, wie vielleicht die Frage, wie man seinen Chef zum Besseren erzieht.