Ben Rigby, Mitbegründer der Extraordinaries & sparked.com, war Ende letzten Jahres beim TEDxNASA Event dabei. Er sprach — wie sollte es auch anders sein — über das Microvolunteering, über die ersten Mobil-Apps der Extraordinaries und die Micro-Volunteering-Plattform sparked.com. Vieles im Video kam mir sehr bekannt vor. Kein Wunder; mit Vorträgen von Ben Rigby hatte ich mich im Zuge der Vorbereitung auf die stARTconference 2010 ja schon beschäftigt. Doch der Reihe nach:

Was ist TED?

TED ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der drei großen Themengebiete um die sich die sog. “TED Talks” drehen: Technologie, Entertainment und Design. TED begann als regelmäßige Konferenz bei der die Vorträge als einzelne Videos ins Netz gestellt wurden. Auch zur Überraschung der Organisator(innen) stießen  diese TED-Talk-Videos auf riesige Resonanz in der Internetgemeinde. Im Geiste freien Wissens dezentralisierten sie die Veranstaltung und begannen so das Label TED viral zu vermarkten. Wer sich heute über neue Entwicklungen im Web schlau machen will kommt an den TED-Talks kaum noch vorbei — sicherlich auch, weil jeder und jede, der oder die etwas auf sich und die eigene Entwicklung hält gern bei TED darüber spricht.

The Extraordinaries & sparked.com

Wie gesagt, mit den Extraordinaries hatte ich mich schon früher beschäftigt. Neben dem NASA-Projekt der Mars-Kartographie (Clickworkers) fanden sie im September 2010 als Beispiel auch Eingang in meine Präsentation zum Micro-Volunteering. Doch warum nun sparked.com? Tatsächlich hatte ich darüber ein bisschen gerätselt. Bei Google meinte ich die Antwort dann gefunden zu haben: Unter dem Suchbegriff “The Extraordinaries” fand sich bis vor ein paar Monaten noch eine amerikanische “Folk-Pop-Band” ganz oben (hier das MySpace-Profil / hier der Wikipedia-Eintrag). Die waren bestimmt eher da und es gab Streitigkeiten wegen des Namens …

Vielleicht war es wirklich so, dass es auch Schwierigkeiten mit der Namensgebung gab. Ben Rigby liefert in seinem TED-Talk aber eine etwas schlüssigere Erklärung: The Extraordinaries — gemeint ist jetzt die Micro-Volunteering-App-Schmiede — hatte mit ihren Tag- und Mapping-Apps irgendwie an der Realität ihrer Zielgruppe vorbei programmiert. Zwar gab es viele Volunteers, die halfen, Vermisste in Haiti via Image-Tagging ausfindig zu machen, doch interessierten sich die Organisation nur wenig für diese Art der Volunteer-Tasks. Ein echtes Problem, denn ausschließlich mit beispielhaften Image-Tagging- und Mapping-Aktionen, konnte sich die profitorientierte Unternehmung nicht über Wasser halten.

Micro-Volunteering-Tasks

So enstand also spaked.com als überarbeitetes Angebot, bei dem nun auf die Interessen der Zielgruppe eingegangen wurde. Doch was wird den Micro-Volunteers hier nun angeboten, wenn es doch nicht mehr nur darum geht an der Supermarktkasse Bilder zu verschlagworten oder an der Bushaltestelle irgendetwas auf digitalen Landkarten zu markieren? Was bringt also Nonprofits und short time volunteers (so sagt Jayne Cravens) zusammen? Die Antwort: Fundraising, Übersetzungen und (Web)Design.

Kritik

Ich glaube Ben Rigby argumentiert hier in genau dem Modus in dem er schon für die vorausgegangenen Tagging-Projekte der Extraordinaries argumentierte: Wenn wir die großen Klötze an Arbeit unserer Projekte in viele kleine Teile zerlegen, können wir die Crowd nutzen diese Arbeit zu erledigen ohne dabei all zu viel in das Management unserer Volunteers investieren zu müssen. Meines Erachten geht auch das an der Realität der Nonprofits vorbei. Der Unterschied ist jetzt aber, dass sie es häufig selber nicht wahr haben wollen, weil sie auf den Irrglauben hereinfallen, ihre Arbeit vollständig crowdsourcen zu können.

In der Realität sieht es aber eher so aus, dass die Ressourcen beim Crowdsourcing auf das Management der Unterstützerinnen und Unterstützer konzentriert werden müssen, weil sonst die Qualität der Arbeit leidet. Und nicht nur das! Wenn die Freiwilligenarbeit (ob ‘nur’ sporadisch, längerfristig, über das Internet oder vor Ort) als Instrument der Stakeholderbindung und Unterstützerrekrutierung verstehanden wird, laufen Nonprofits mit dieser Art des Crowdsourcings Gefahr ihre wichtigsten Ressourcen zu verheizen — eine Metapher, die so gar nichts mit ressourcenschonender Nachhaltigkeit zu tun hat, mit der sich so viele NPOs schmücken möchten.

Im Sinne der Vision, die Ben Rigby in seinem TED-Talk vorstellt — einem weltweiten Netzwerk von Micro-Volunteers in dem sich jederzeit jemand für die Aufgaben findet, die  Nonprofits crowdsourcen wollen — ist sparked.com leider auf genau dieses Verheizen angelegt. Volunteers werden nicht (oder nur rudimentär) über die Ziele der NPO informiert, sie müssen nicht wissen worum es geht, sie müssen einfach nur machen …

Das ist sicherlich bequem für beide Seiten, führt aber, wegen der fehlenden Ressourcen für das Management (und das fängt häufig schon bei der Formulierung des Volunteer-Tasks an “mach mal Fundraising”, “wir brauchen ein neues Logo” usw.), zu häufig schlechter und ebenso häufig schlecht kontrollierter Qualität. Des Weiteren wird eine große Stärke des freiwilligen Engagements komplett ausgeblendet: Das man so nämlich echte Teilhabe schaffen und potentielle Unterstützerinnen und Unterstützer, die sich zumeist länger Engagieren als nur fünf Minuten (siehe Freiwilligensurvey), finden kann.