Es ist schon über zwei Monate her, dass ich hier im Blog über Online-Engagementangebote auf Facebook geschrieben habe. Bei der von mir z.Zt. als rasant empfundenen Entwicklung in diesem Bereich, ist das beinahe eine Ewigkeit. So will ich die Facebook-Engagements auch heute wieder zum Thema machen — zumal ich gestern auch ein neues, inspirierendes Beispiel dafür gefunden habe.

Sei direkt und drück dich klar aus

Das letzte Mal widmete ich mich eines Vergleichs zwischen Online-Engagement-Angeboten von 2aid.org und dem Österreichischen Roten Kreuz.

  • Herausgestellt hatte ich zum Einen, dass hinter einem Angebot zu Engagement (ob online oder on-site) immer mehr stehen muss als der bloße Outsourcing-Gedanke und das Kostensparen (Stichwort: Freiwilligenmanagement). Wer den worst case der Engagementförderung vermeiden will, sollte das tunlichst beherzigen!
  • Zum Zweiten schlussfolgerte ich, dass es wohl besser sei, sich direkt und schnörkellos auszudrücken als indirekte Fragen in den Raum zu stellen. Auch mit Engagementangeboten sollte man die Bequemlichkeit der Facebook-Userinnen und -User respektieren und weniger Diskussionen anregen als Informationen vermitteln.
  • Drittens hat mir mein Vergleich gezeigt, dass Status-Updates über den Projektverlauf, zu dem die zuvor ausgeschriebenen Volunteer-Task gehören, durch aus sinnvoll sind und das involvement der Friends und Follower beibehalten oder gar steigern können.

Auf die Frage, wie denn nun ein Online-Engagementangebot bei Facebook gestrickt sein muss, hatte ich damit aber noch keine — oder zumindest keine befriedigende — Antwort gefunden. Meine Standardantwort war im März:

Man muss eben seine eigenen Erfahrungen machen.

Karma statt Kohle

Heute meine ich hierüber hinaus zu kommen. Warum? Es war die oben abgebildete Statusmeldung vom betterplace LAB, die mich auf einen neuen Aspekt aufmerksam machte, den ich weiter unten kurz ausführen will. Zunächst aber zum Engagementangebot:

Karmaarbeiter gesucht: wer übersetzt uns diesen englischen blogpost? Macht 50 Karmapunkte! (mit LINK)

Es sticht geradezu ins Auge, dass hier kein “Virtual-Volunteer” und keine “Helferin” gesucht wird. Gesucht wird ein “Karmaarbeiter“. Ein Lohnarbeiter oder eine Lohnarbeiterin, dessen/deren Arbeit mit 50 Karmapunkten vergütet wird. Was Karmapunkte sind, erschließt sich zunächst  nicht, wer aber die Social Media Auftritte von betterplace LAB verfolgt, wird um die Idee einer Karma Bank wissen. Dabei handelt es sich um ein Community-System, das darauf zielt, Engagement in seinen vielfältigen Formen abzubilden und vergleichbar zu machen. Karma-Punkte können somit als anhäufbare Engagementnachweise verstanden werden, die für Anti-Engagement (vll. ein Tagestrip mit dem nächsten Billigflieger zum Einkaufen nach London oder Paris) wieder ausgegeben werden können.

Diesen „Karmaarbeiter“ finde ich aus zwei Gründen interessant: Einerseits stellt der Begriff ganz klar einen Insider dar, andererseits wird die Attraktivität des Engagements mit ihm auf andere Weise betont. Bei 2aid.org und dem ÖRK lag die Attraktivität des Engagements offenbar im Helfen-Können und sicherlich auch in der öffentlichen Zurschaustellung dieser Hilfsbereitschaft. Beim Karmaarbeiter ist das im Grunde nicht anders. Auch hier können Interessierte Helfen (einen Blogpost übersetzten), sich dabei gut fühlen und mit ihrem Engagement „Karmapunkte“ sammeln. Im Gegensatz zu den Facebook-Engagements von 2aid.org und dem ÖRK wird die zweite Form ‚ausstellbaren‘ Verdiensts vom betterplace LAB aber explizit angesprochen, was dieses Facebook-Engagement m.E. etwas SMARTer macht (s.u.). Das gilt natürlich nur für Eingeweihte, die überhaupt etwas mit der Idee der Karma-Bank anfangen können, was eine mögliche Erklärung für das spärliche — aber positive — Feedback sein kann. Andererseits lässt sich das aber auch mit der ausgeprägten Ratio der betterplace LAB-Interessierten und der Suche nach nur einem Karmaarbeiter erklären, der ja nur diesen einen Blogpost übersetzen soll und sich nach schon einer Stunde gemeldet hat.

SMARTes Facebook-Engagement

Wie dem aber auch sei; ich meine aus diesem Engagementangebot auf Facebook weitere Lehren für das Recruitment von Online-Volunteers ziehen zu können. Mit dem Ansprechen der Attraktivität des Engagements haben die Macherinnen und Macher des betterplace LAB einen Punkt expliziert, der zuvor nur implizit kommuniziert: den Verdienst, den das Engagement für eine gute Sache mit sich bringt. Im Modell SMARTer Engagementbeschreibungen ist das ein wichtiger Punkt:

S — wie spezifisch: Was genau soll getan werden?

M — wie messbar: Was genau soll dabei raus kommen?

A — wie attraktiv: Warum sollte sich irgendjemand dazu bemühen?

R — wie realisierbar: Welche Voraussetzungen sollte der/die Volunteer dafür mitbringen?

T — wie terminiert: Wann soll die Aufgabe erfüllt sein?

Fazit

Auf die Frage also, wie gute Facebook-Engagements gestrickt sein sollten, kann ich nun antworten: SMART! Ein Online-Engagementangebot auf Facebook kann m.E. zunächst nur auf sporadisches Engagement zielen. Wer sporadische Kurzzeit-Engagierte häufiger über Social Media Kanäle wie Facebook sucht und findet, wird sicherlich irgendwann auch die hochengagierten Mehrfachtäter ausmachen können, mit denen sich dann auch längerfristige Projekte gestalten lassen. Zunächst aber bleibt das Online-Engagment auf ganz klar abgrenzbare Volunteer-Tasks beschränkt, die sich idealer Weise SMART formulieren lassen.