Es war das Jahr 2004, als ich für fünf Monate als Boulanger in Marseille verweilte. Von Anfang März bis Ende Juli wohnte, lebte und arbeitete ich in der Präfektur des Departement Bouches-du-Rhône mit der Nummer 13 — dem Symbol der Marseillais. Die Arbeitszeiten als Bäcker brachten es mit sich, dass tagsüber viel Zeit war und der Abend bald beendet wurde. Ideale Bedingungen also, um sich tagsüber in der Stadt bzw. am Strand aufzuhalten und sich sportlich zu betätigen. Bei meinen Ausflügen mit den Agro-Skates, die ich mir in Marseille gebraucht gekauft hatte (siehe Bild weiter unten), traf ich eines Tages Alex, einen Freestyle-Slalom-Skater, mit dem ich mich bald anfreundete.

Im Slalom-Skating hatte ich einen Sport gefunden, dem ich Zeit meines restlichen Aufenthalts in Südfrankreich nachgehen konnte. Meine Agro-Skates konnte ich allerdings nicht mehr gegen Slalom-Schuhe umtauschen; zum einen gab es gar keine (gebrauchten) Slalom-Skates in derselben Preislage (80,-€ hatte ich damals für die Schuhe bezahlt) und zum anderen musste ich damit rechnen, dass ich sie zu Hause ohnehin wieder einmotten müsste. So einen schönen Spot, wie den in Marseille würde ich im thüringischen Gera wohl nicht finden — anständig asphaltierte Straßen bleiben dort weiterhin den Autofahrer!nnen vorbehalten.


Zoomt man weit genug ran, lassen sich auch die gelben Markierungen auf dem Boden erkennen 🙂

Ich sollte recht behalten. Während der letzten sieben Jahre ergab sich kaum einmal eine Gelegenheit die Skates wieder auszupacken — weder in Gera, noch während meines Studiums in Erfurt. Erst als 2010 das Rollfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof wiedereröffnet wurde, packte ich die Skates wieder aus. Eine ganze Weile fuhr ich dann dort meine Runden — mal allein mal mit andern — bis ich Anfang dieses Jahres die Jungs und Mädels von Slalomplace traf und wieder anfing um die Hütchen zu fahren. Zwar war ich mittlerweile schon wieder gut eingerostet, doch kam das Bisschen, was ich mir damals von Alex abschauen konnte bald wieder.

Mittlerweile habe ich mir auch anständige Schuhe gekauft mit denen sich nun auch Tricks fahren lassen, von denen mich die Agros zuvor abhielten. Für die InlineGames am kommenden Wochenende reicht das zwar noch lange nicht, doch was nicht ist, kann ja noch werden.

Slalom-Skaltes (links) | Agro-Skates (rechts)

Die InlineGames, das größte Slalom-Skating-Event in Deutschland, finden schließlich jedes Jahr statt. Diesmal treffen sich Freestyle- und Speed-Slaom-Slalomskterinnen und -skater aus ganz Europa im Poststadion in der Lehrter Straße 58 und zeigen sich gegenseitig und natürlich dem Publikum, was sie so drauf haben. Beeindruckt von den Videos aus den vergangenen Jahren der InlineGames, lässt sich auf ein amüsantes Wochenende voller eindrücklicher Inline-Virtuosen hoffen. Vorbeischauen lohnt sich also — besonders, weil genug Platz da und der Eintritt frei ist.