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Mit neuen Wegen zum freiwilligen Engagement können jenen, die zwar angeben, „bestimmt“ oder „eventuell“ zum freiwilligen Engagement bereit zu sein, tatsächlich aber (noch) nicht aktiv geworden sind, entsprechende Teilhabemöglichkeiten angeboten werden. Letztes Jahr hatte ich hier im Blog geschrieben, dass 36% der Deutschen neue Wege zum freiwilligen Engagement brauchen und eine erste Analyse der Zielgruppe für sporadisches, projektbezogenes Online- und Micro-Volunteering versucht. Auf der Grundlage der Sinusmilieus des Heidelberger Marktforschungsinstituts Sinus-Sociovision formulierte ich folgende These:

24% der Deutschen gehören den beiden unteren Milieus des Prekariats und der Hedonisten an. Sie sind wohl nicht — oder nur ausnahmsweise — zum freiwilligen Engagement bereit. Die bürgerliche Mitte, wie die Traditionalisten und das konservativ etablierte Milieu (insgesamt 39%) engagieren sich eher in Form des wohlbekannten Ehrenamtes, während die restlichen 36% den oberen Milieus angehören, die sich (noch) nicht engagieren.

Kartoffelgrafik der Sinusmilieus mit einer Einteilung in Engagierte, nicht Engagierte und Engagementbereite

Zwar ist vor allem wegen der mangelnden analytischen Schärfe Skepsis geboten, doch scheint mir diese These nach wie vor stimmig: Einerseits finden sich die Quoten aus dem Freiwilligensurvey in der Clusterung der Sinusmilieus — zumindest in etwa – wieder und zum anderen passt die Grundorientierung der noch nicht engagierten Milieus — „Modernisierung/Individualisierung“ bzw. „Neuorientierung“ — sehr gut zur Annahme, dass neue Wege zum freiwilligen Engagement bereitet werden müssen. Nichtsdestotrotz will ich die Einteilung in „nicht Engagierte“, „Engagementbereite“ und „bereits Engagierte“ im Folgenden weiter präzisieren.

Nicht Engagierte, Engagementbereite und bereits Engagierte:

Es scheint mir wenig sinnvoll anzunehmen, für ganze Milieus Aussagen bzgl. der Engagementbereitschaft ihrer Angehörigen machen zu können. So rekurriert die Vermutung, Angehörige des Prekariats würden sich eher nicht engagieren, vor allem auf deren finanzielle Situation, die bei einigen Angehörigen des traditionellen Milieus, das bis weit in die Unterschicht reicht, auch nicht anders sein dürfte. Ähnliches gilt für das Milieu der Hedonisten, das seinerseits bis in die Mittelschicht reicht. Die Annahme, Hedonisten würden sich nicht engagieren, weil sie anderen Freizeitbeschäftigungen den Vorrang geben — ‚irgendwie nur am daddeln sind‘ — will nicht recht greifen (dazu auch Begemann et al. 2011): Nichts spricht dagegen, dass sich auch Angehörige dieses Milieus freiwillig engagieren — Freiwilligenarbeit nimmt mithin schließlich auch Eventcharakter an und macht vielen Engagierten definitiv Spaß.

Komplizierter ist allerdings die Einordnung der Liberal-Intellektuellen und des sozialökologischen Milieus. Beide werden der oberen Mittelschicht und Oberschicht zugeordnet, reichen aber bzgl. ihrer Grundorientierung nicht weiter in die Neuorientierung als die bürgerliche Mitte. Warum sollten sie also nicht auch zu den bereits engagieren gehören? Wenn sich die Angehörigen des sozialökologischen Milieus als konsumkritische bzw. -bewusste Menschen mit ausgeprägtem ökologischen und sozialen Gewissen beschreiben lassen, scheinen sie doch wie gemacht für das Engagement in Umwelt- und Naturschutz. Dagegen spricht lediglich, die idealistische Wertorientierung, die der institutionenzentrierten Zusammenarbeit im freiwilligen Engagement entgegen stehen könnte (siehe dazu auch Helmut Klages).

Die Liberal-Intellektuellen wiederum passen als „aufgeklärte Bildungselite“ sehr gut in das Schema des neuen Ehrenamts, wobei Angehörige dieses Milieus wohl eher in den Vorständen neuer Initiativen und Vereine zu finden sein dürften als an deren Basis. Es ist anzunehmen, dass sich zumindest ein Teil der Liberal-Intellektuellen mit der hierarchischen Strukturiertheit des herkömmlichen Ehrenamts zu arrangieren weiß. Wie auch die Konservativ-Etablierten und im Gegensatz zu Angehörigen des sozialökologischen Milieus, der bürgerlichen Mitte und den Traditionalisten dürften auch sie einen Führungsanspruch erheben, der sich nicht immer mit neuen Wegen zum freiwilligen Engagement oder der Weisheit von Vielen verträgt, weil er eben Hierarchie braucht.

Für eine Präzisierung der oben zitierten These scheint es mir also sinnvoll, über die Einteilung der Sinusmilieus eine weitere Clusterung zu legen, mit der den dargestellten Überschneidungen eher Rechnung getragen werden kann. Zu den „nicht Engagierten“ würde ich somit die untere Unterschicht zählen, zu der nicht nur das prekäre Milieu sondern auch Teile des traditionalistischen und des hedonistischen Milieus gehören. Zu den „bereits Engagierten“ zählten dann die Milieus mit traditioneller bis moderner bzw. individualistischer Grundorientierung ab der oberen Unterschicht bis zur Oberschicht, wobei den Milieus der Liberal-Intellektuellen und Sozialökologen nur zur Hälfte einbegriffen sind; Angehörige dieser Milieus dürften sowohl zu den „bereits Engagierten“ als auch zu den „Engagementbereiten“ zählen. Gänzlich zu den „Engagementbereiten“ und damit zur hauptsächlichen Zielgruppe für neue Wege zum freiwilligen Engagement schließlich würden dann sowohl das Milieu der Performer, das expedive Milieu, das adaptiv-pragmatische Milieu sowie Teile des hedonistischen Clusters und je die Hälfte der Liberal-Intellektuellen und der Sozialökologen gezählt werden müssen. Damit ergibt sich nun folgendes Bild.

Einteilung der Sinusmilieus in Engagierte, nicht Engagierte und Engagementbereite

Online-Volunteers: ‚digital natives‘?!

Mit Blick auf die zu Beginn dieses Jahres erschienenen Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet, bei der die Sinusmilieus hinsichtlich der Internetnutzung ihrer jeweiligen Angehörigen untersucht und in sieben „Internet-Milieus“ herausgearbeitet wurden, lässt sich zunächst annehmen, dass für Angehörige des Clusters der „Engagementbereiten“ „die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens [darstellt]“ (DIVSI 2012: 34). Insbesondere die „effizienzorientierten Performer“ und die „digital Souveränen“ decken sich mit dem Cluster der „Engagementbereiten“, wobei auch diese Milieus bis weit in die Oberschicht reichen. Damit ist auch hier von einem gewissen Führungsanspruch auszugehen, der sich bei diesen „digital natives“ allerdings anders manifestieren dürfte als bei den Etabliert-Konservativen und Liberal-Intellektuellen. Die eigene Leistung im aktuellen Engagementkontext und deren situative Anerkennung durch die Mitstreiter!nnen dürfte hier eher im Vordergrund stehen als das zu bekleidende Amt.

Clusterung der Gesellschaft in sieben "Internet-Mileus"

Fazit

Mit dem Online- und Micro-Volunteering ist ein möglicher Weg zum freiwilligen Engagement beschrieben. Zwar ist die Besetzung von Führungspositionen mit Online-Volunteers durchaus vorstellbar, doch bietet das freiwillige Engagement über das Internet vor allem die Möglichkeit der Mitarbeit. Damit verbunden ist sicherlich eine gewisse Reputation, die eine Engagementkarriere in hierarchischen Engagementkontexten möglich macht, doch scheint die bloße Mitarbeit über das Internet für die Verwirklichung konkreter Führungsansprüche (noch) unattraktiv. Damit lässt sich die Zielgruppe für das Online-Volunteering auf die Teile der effizienzorientierten Performer und digital Souveränen eingrenzen, die sich in Gänze mit dem adaptiv-pragmatischen Milieu und in Teilen mit dem hedonistischen und expediven Milieu überschneiden. In eben diesen Milieus gehört das Internet tatsächlich zum Alltag und liegt als Medium für persönliche Teilhabe näher als der Gang zur nächsten Freiwilligenorganisation — zumal dafür auch erst einmal ein Termin gefunden werden müsste.

#followpower

Wenn sich die Zielgruppe für das Online- und Micro-Volunteering, wie es mit der ZiviCloud forciert werden soll, also dergestalt eingrenzen lässt, müssen nun konkrete Möglichkeiten der Zielgruppenansprache ausgemacht werden. Sicherlich lassen sich mehr oder weniger erfolgreiche Varianten der Zielgruppenansprache von entsprechenden Kampagnen ‚abschauen‘. Die Frage ist also, welche Produkte (ob nun Kampagnen aus dem zivilgesellschaftlichen Bereich oder Konsumprodukte aus der Fernsehwerbung) werden von Menschen genutzt die von Sinus Sociovison als „mobile, zielstrebige junge Mitte der Gesellschaft mit ausgeprägtem Lebenspragmatismus und Nutzenkalkül“ beschrieben werden? Menschen denen sowohl Erfolgsorientiertheit, Kompromissbereitschaft, konventioneller Hedonismus als auch ein starkes Bedürfnis nach „flexicurity“ attestiert wird.

Spätestens seit der Petition gegen die Umsetzung des EU-Verkaufsverbots für Heilpflanzen, das es nie gab, beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn viel Aufregung um unklare Tatbestände geschürt wird. So auch bei der offenen Petition “Ein Ehrenamt darf nicht zur Arbeitszeit gehören!” Gemeinsam mit Frank Weller vom Blog “Projekt Ehrenamt” habe ich die Petition und ihr Anliegen deshalb genauer unter die Lupe genommen. Fazit: Mitzeichnen!

Seit dem 21. März dieses Jahres sorgt eine offene Petition gegen die arbeitsrechtliche Gleichstellung von Ehrenamt und Arbeitnehmerschaft für Wirbel in der Engagementszene. Im Petitionstext schreibt der Initiator Marcel Kuebel:

Im Rahmen der laufenden Beratungen um das neue EU-Arbeitszeitgesetz, ist nach der Ansicht der EU die ehrenamtliche Arbeit bei der Berechnung der Wochenarbeitszeit mit einzubeziehen. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie sieht vor, die Wochenarbeitszeit in ganz Europa auf 48 Stunden zu begrenzen. Dabei unterscheidet die Arbeitszeitrichtlinie nicht klar zwischen Arbeitnehmer und Ehrenamtsinhaber.

Bis heute (05. April 2012) zählt die Petition über 2.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, wobei im Netz dazu eine relativ breite Diskussion stattfindet, die – wenngleich etwas aufgeregt – einzelne Akteure in diesem Feld sichtbar macht. Insbesondere Vertreterinnen und Vertreter traditionsreicher Ehrenamtsbereiche wie freiwillige Feuerwehr und  Rettungsdienst finden sich unter jenen, die sich klar gegen eine solche Arbeitszeitbegrenzung aussprechen. Stimmen, die vor Panikmache warnen, stammen dagegen vor allem aus der Politik. Im Folgenden wollen wir klären, was es mit der im Petitionstext genannten EU-Arbeitszeitrichtline 89/391/EWG und der Gleichstellung von Ehrenamt und Arbeitnehmerschaft in Deutschland auf sich hat.

Die EU-Richtlinie 89/391/EWG

Bei der betreffenden Richtline handelt es sich um eine Rahmenrichtlinie der Europäischen Union, die einen einheitlichen Mindeststandard in der EU für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am Arbeitsplatz gewährleisten soll. Die EU legt aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes und zur Vereinheitlichung der sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der EU 27 eine ganze Reihe solcher grundlegenden Vorschriften fest, die vorrangig auf den Erhalt der Wirtschaftskraft abzielen.

Wie die Nummerierung der Richtline 89/391/EWG verrät, stammt diese aus dem Jahr 1989. Seit dem 12. Juni jenes Jahres wurde diese Richtlinie drei Mal abgeändert: 2003, 2007 und 2008. Dabei wurden alle Änderungen in den vorliegenden Text der Richtlinie eingearbeitet.

Für die Frage nach der möglichen Gleichstellung freiwilligen Engagements und Arbeitnehmerschaft in Deutschland sind zunächst die Artikel 2 und 3 von Bedeutung. Der Artikel 2 legt den Anwendungsbereich der Richtlinie fest. Dieser bezieht sich auf „alle privaten oder öffentlichen Tätigkeitsbereiche“ inkl. Freizeittätigkeiten der Arbeitnehmerschaft. Im Artikel 3 werden die vier für die Richtlinie wesentlichen Begriffe definiert: Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Arbeitnehmervertreter und Gefahrenverhütung. Für uns sind insbesondere die ersten beiden Definitionen interessant.

  • Arbeitnehmer ist „jede Person, die von einem Arbeitgeber beschäftigt wird, einschließlich Praktikanten und Lehrlinge, jedoch mit Ausnahme von Hausangestellten“.
  • Arbeitgeber ist „jede natürliche oder juristische Person, die als Vertragspartei des Beschäftigungsverhältnisses mit dem Arbeitnehmer die Verantwortung für das Unternehmen bzw. den Betrieb trägt“.

Weiterhin werden im Text der Richtlinie vor allem die Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz festgelegt. Eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit auf höchstens 48 Stunden ist im Text allerdings nicht zu finden. Diese findet sich im Artikel 6 b der EU-Richtline 2003/88/EG über „bestimmte Aspekte der der Arbeitszeitgestaltung“. Hier heißt es:

Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, damit nach Maßgabe der Erfordernisse der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer […] die durchschnittliche Arbeitszeit pro Siebentageszeitraum 48 Stunden einschließlich der Überstunden nicht überschreitet.

Eben diese Richtline ist Gegenstand der „laufenden Beratungen um das EU-Arbeitzeitgesetz“, wobei die Richtlinie 89/391/EWG insofern von Bedeutung ist, als hier der Begriff der Arbeitnehmerschaft sowie der Anwendungsbereich betreffender Regelungen legal definiert wird.

Alles in allem zielen die genannten EU-Richtlinien auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Europa. Regelungen wie diese sind notwendig, weil der Arbeitnehmerschaft auf Grund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Arbeitgeber eine gewisse Schutzbedürftigkeit unterstellt werden muss. Vermieden werden soll damit, dass Arbeitgeber ihre Profitinteressen auf Kosten der Sicherheit und Gesundheit ihrer Angestellten und Arbeiter verfolgen. Es ist anzunehmen, dass in den meisten Ländern der EU 27 solche oder ähnliche Arbeitsschutzvorschriften bestehen, jedoch strebt die EU-Kommission mit diesen Richtlinien ein einheitliches Mindestniveau des Arbeitsschutzes in Europa an, um gleiche und soziale  Wettbewerbsbedingungen herzustellen.

Anzunehmen ist überdies, dass mit dieser Regelung auf die freie Wirtschaft in der EU abgezielt wird, womit allerdings noch nicht geklärt ist, ob sie auch auf die Freiwilligenarbeit und das Ehrenamt in der Europäischen Union zu beziehen ist und den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bzw. allgemein dem Gesetzgeber so ein bedenklich großer Einfluss auf die Freizeitgestaltung ihrer Beschäftigten zugebilligt wird. Insbesondere die 48-Stunden-Regelung scheint hierfür prädestiniert, weil sie – so wäre zu argumentieren – der für den Arbeitsschutz nicht unwesentlichen Erholung und Regeneration in der Freizeit dient. Damit rückt hier die Unterscheidung zwischen Freiwilligenarbeit und Arbeitnehmerschaft in den Mittelpunkt unseres Interesses.

Unterscheidung zwischen Freiwilligenarbeit und Arbeitnehmerschaft

Die bundesdeutsche Rechtswissenschaft und Praxis definiert „Arbeitnehmer“ zusammengefasst im Wesentlichen wie folgt:

Arbeitnehmer ist, wer auf Grund eines privatrechtlichen Vertrags einem anderen (dem Arbeitgeber) zur Arbeitsleistung verpflichtet ist. Der Arbeitnehmer ist in einen Betrieb eingegliedert und leistet abhängige, fremdbestimmte Arbeit. Der Arbeitsvertrag ist ein privatrechtlicher Austauschvertrag durch den sich der Arbeitnehmer zur Leistung von fremdbestimmter Arbeit unter Leitung und Weisung des Arbeitgebers und der Arbeitgeber zur Zahlung einer Vergütung verpflichtet. Vergütung ist eine Geldleistung, die unabhängig von einem tatsächlichen Aufwand gezahlt wird (im Gegensatz zur Aufwandsentschädigung, die einen tatsächlich entstandenen Aufwand – etwa Fahrt- oder Telefonkosten – ersetzen soll). Das Arbeitsverhältnis kann durch fristgemäße Kündigung oder – bei Vorliegen eines wichtigen Grundes – durch fristlose Kündigung beendet werden.

Demgegenüber engagieren sich Freiwillige oder Ehrenamtliche unentgeltlich oder für höchstens 2.100 Euro Vergütung pro Jahr („Ehrenamtspauschale“: § 31 a BGB / „Übungsleiterpauschale“: § 3 Nr. 26 EStG) ohne finanzielle Gewinnabsicht, zumeist für eine nicht-profitorientierte Organisation (NPO). Allerdings werden auch sie nicht ohne rechtliche Grundlage tätig, sondern nehmen i.d.R. einen Auftrag einer NPO an.

Ein Auftrag (§ 662 ff. BGB) ist ein Vertrag. Der Auftraggeber überträgt dem Auftragnehmer/ Beauftragten eine bestimmte Aufgabe. So kann die Mitgliederversammlung eines Vereins den Vorsitzenden wählen. Nimmt dieser die Wahl an, gilt er als beauftragt. Oder: Ein Helfer meldet sich bei einer Umweltschutzorganisation; diese setzt ihn bei der Reinigung eines Strandes von Ölresten ein (beaufragt ihn). Der Auftragnehmer ist unentgeltlich tätig, erhält also keine Vergütung, sondern lediglich Ersatz seiner Aufwendungen. Der Auftraggeber kann den Auftragnehmer  anweisen, die Tätigkeit in bestimmter Weise auszuführen (im obigen Beispiel wird der Helfer vll. angewiesen bei der Strandreinigung bestimmte Gerätschaften zu verwenden und in einer bestimmten Weise vorzugehen). Als Beauftragter haftet ein Freiwilliger auch für Schäden, die er dem Auftraggeber zufügt, wenn er grobfahrlässig oder vorsätzlich handelt.

Ein Unterschied zum Arbeitsverhältnis besteht hinsichtlich der Beendigung des Vertragsverhältnisses: Die Beauftragung kann auch ohne Grund jederzeit gekündigt werden, wobei allerdings eine sofortige Beendigung nicht zulässig ist, wenn sie zu einem Schaden führen würde (Kündigung zur „Unzeit“, § 671 BGB; Beispiel: Ein für die Malteser tätiger, ehrenamtlicher Rettungswagenfahrer stellt sein Fahrzeug in der Stadt ab und geht nach Hause).

Somit unterscheiden sich Freiwillige zunächst nur ungenügend von Arbeitnehmern. Dies gilt vor allem dann, wenn sie in eine größere Organisation mit klaren Hierarchien (z.B. Deutsches Rotes Kreuz) eingegliedert sind. Dort wird die gleiche Aufgabe manchmal nebeneinander von Arbeitnehmern und Freiwilligen ausgeführt. Dabei wird das Problem der „Schein-Ehrenamtlichkeit“ deutlich: Wenn in Wirklichkeit nicht Aufwandsersatz, sondern Vergütung gezahlt wird, liegt keine Freiwilligentätigkeit, sondern ein Arbeitsverhältnis (oder unter bestimmten Voraussetzungen eine selbständige Tätigkeit) vor. Die Bezeichnung ist rechtlich unerheblich! Wenn ein Freiwilliger bspw. zusätzlich zum zulässigen Aufwendungsersatz ein Einkommen durch seine Tätigkeit in der selben Organisation hat, stellt die pauschale Aufwandsentschädigung für ihn eine Art  zusätzlicher Vergütung dar, womit dieser Freiwillige als Arbeitnehmer gilt (Beispiel: Ein geringfügig Beschäftigter verdient durch seine Tätigkeit in der Planung von Ferienfahrten steuerfreie 400 € im Monat. Im Rahmen seiner Tätigkeit als freiwilliger Übungsleiter bei den Ferienfahrten erhält er zusätzlich monatlich steuerfreie 175 € Übungsleiterpauschale, womit sich sein Netto-Monatseinkommen auf 575 € beläuft)

Das wesentliche Unterscheidungskriterium zwischen Arbeitnehmern und Freiwilligen ist somit die (Un)entgeltlichkeit. Dies gilt jedenfalls für solche Freiwillige, die Teil einer NPO sind und in deren Auftrag weisungsabhängig tätig werden, was im organisierten freiwilligen Engagement eigentlich immer der Fall ist. Im Gegensatz dazu stehen Freiwillige, die ein Ehrenamt im Vorstand eines Vereins innehaben oder der Geschäftsführung einer Organisation angehören. Diese sind als ‚Organmitglieder‘ oder aufgrund der Ausgestaltung der Hierarchie eher als Arbeitgeber anzusehen.

Fazit:

Die Unterscheidung zwischen Arbeitnehmerschaft und freiwilligem Engagement – wie auch die zwischen Arbeigeberschaft und Ehrenamt – ist nicht pauschal für alle freiwillig Tätigen zu klären. Als wesentliches Unterscheidungskriterium ist zwar die (Un)entgeltlichkeit der Tätigkeit nennen, doch bleibt zu fragen, ob freiwillig Engagierte im Hinblick auf die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz den Arbeitnehmern gleichzustellen sind — ob die Gesamtzeit der Tätigkeit in Beruf und Ehrenamt also die Höchstgrenze der 48 Wochenstunden nicht überschreiten darf und ob die Bestimmungen zur Sicherheit und dem Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz auch für Freiwillige gelten.

Der vorliegenden Richtlinie folgend können Freiwillige momentan nicht zur Arbeitnehmerschaft gezählt werden. Einerseits, weil sie nicht bezahlt werden, andererseits, weil dies dem Sinn des Arbeitsschutzes, der ja auf die Schutzbedürftigkeit wirtschaftlich abhängiger Beschäftigter rekurriert, wiedersprechen würde. Wirtschaftlich abhängig Beschäftigte können nicht ‚einfach so‘ den Arbeitsplatz wechseln, wenn ihre Sicherheit gefährdet ist oder sie mehr Stunden arbeiten müssen als ihnen gesundheitlich zuträglich ist. Diesen ‚Schutzschirm‘ benötigen Freiwillige nicht. Eine Ausnahme bilden die Schein-Ehrenamtlichen, die entweder Arbeitnehmer sind oder als solche gelten. Dies galt in Deutschland allerdings auch schon zuvor; hier bedarf es keines Eingriffs des europäischen Normgebers.

Um zukünftig auch ‚echte‘ Freiwillige mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gleich stellen zu können, wäre demnach eine ausdrückliche Erweiterung der Definition von Arbeitnehmerschaft notwendig, gegen die sich die genannte Petition ausdrücklich richtet.

Diese Ausweitung wäre allerdings insofern bedenklich, als der Arbeitgeber unter dem Vorwand des Arbeitsschutzes (Recht auf körperliche Unversehrtheit, Art 2 II GG) bedenklich großen Einfluss auf die Freizeitgestaltung (Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Art 2 I GG) erlangen würde. Denn die Arbeitszeitregelung im Arbeitsverhältnis hätte für Arbeitnehmer rechtlich und wirtschaftlich stets Vorrang vor der Freizeitgestaltung. Legt also der Arbeitsvertrag eine Arbeitszeit von 40 Stunden fest, bliebe für das Ehrenamt lediglich ein Rest von 8 Stunden. Dies könnte ein ungerechtfertigter Eingriff in das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit sein, der auch deshalb nicht gerechtfertigt wäre, weil eine freiwillige Tätigkeit Freude bereitet und so der Entspannung und Erholung und damit gerade der Gesunderhaltung dient. Damit würde eine solche Regelung ihren Zweck verfehlen und wäre auch daher nicht gerechtfertigt, sondern im rechtlichen Sinne unverhältnismäßig.

Creative Commons Lizenzvertrag
Ehrenamt und Arbeitnehmerschaft — zur Unterscheidung zweier ähnlicher Tätigkeitsbereiche von Hannes Jähnert und Dr. Frank Weller steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Pünktlich nach meinem Moskau-Urlaub ist mir gestern eine interessante Meldung untergekommen: Der Technologie-Konzern Sony geht in Großbritannien mit einer Open Source App für die mobile Freiwilligenarbeit an den Start. Die Idee stammt vom französischen Designer Paul Frigout und soll — wie auch die schon ältere Idee des Online-Volunteering — auf die Bedürfnisse mobiler Volunteers eine Antwort geben. Werbewirksam passend kam Firgout die Idee, als er auf eine Straßenbahn wartete: Warum die Wartezeit nicht nutzen, um schnell mal was Gutes zu tun?

Über die +U-App, die auf die nationale Engagementdatenbank „do-it.org.uk“ zugreift, sollen Interessierte in Großbritannien nun Kurzzeit-Engagements in ihrer Nähe finden – egal wo sie gerade sind. Eine interessante Idee! Man stelle sich nur vor, die Berliner Stadtreinigung (BSR) stellt an jedes Bushäuschen ein Kehrgerät, das Wartende kurzentschlossen in die Hand nehmen können, um die Haltestelle besenrein zu hinterlassen. Vielleicht finden Nonprofits engagierte Beraterinnen und Berater, die ihnen bei der Konzeption und Umsetzung ihrer Kampagnen helfen können, künftig beim Frisör. Und auch die Berliner S-Bahn könnte so zu einer nützlichen Ermöglichungsstruktur für freiwilliges Kurzzeit-Engagement werden, zwingen uns die Zugverspätungen und -ausfälle doch bisweilen innezuhalten …

Ist mobiles Ehrenamt auch in Deutschland denkbar?

Jetzt aber mal im Ernst: Ließe sich dieses mobile Ehrenamt in Deutschland realisieren? Würden sich überhaupt Aufgaben und Interessierte für das Engagement ‚nebenbei‘ finden? Und ist es überhaupt sinnvoll, die Freiwilligenarbeit zu einer Tätigkeit ‚nebenbei‘ verkommen zu lassen?

Zur dritten Frage ist meine Antwort „Ja“: „Die Freiwilligenarbeit“ gibt es ohnehin nicht. Es gibt nur verschiedene Formen, die mehr oder weniger gut zur aktuellen Lebenssituation der Engagierten passen. Hochgradig mobile – vor allem junge – Menschen sind auf flexible Wege des freiwilligen Engagements angewiesen, ältere Freiwillige können und wollen mehr Verantwortung übernehmen. Dabei sind das keine getrennten Sphären des Freiwilligensektors, sondern unterschiedliche Ausprägungen ein und desselben Phänomens, das – wiederum in unterschiedlichen Ausprägungen – zu ein und demselben Ergebnis führt: das gute Gefühl etwas Gutes getan zu haben. Recht häufig beginnt die Engagementbiographie mit sporadischem Engagement und der Erfahrung, dass die aktive Teilhabe Freude bereitet. Später kommt die Übernahme von Verantwortung dazu, die günstiger Weise mit Gestaltungsspielraum einher geht und somit zu einem wesentlichern Motivator im freiwilligen Engagement wird. Solange das freiwillige Engagement ‚nebenbei‘ nicht zum Slacktivism verkommt, ist sie m.E. ein gangbarer Weg, gute Engagementerfahrungen möglich zu machen und eine Engagementbiographie anzustoßen bzw. fortzusetzen.

Die Frage nach den Interessierten ist schon schwieriger zu beantworten. Doch auch die werden sich finden, zumal die Entwicklung von +U auch den Unterhaltungswert (Gamification) nicht unberücksichtigt lässt. Lange schon ist bekannt, dass es viele Menschen gibt, die sich zwar ernstlich engagieren wollen, es aber wegen enger Zeitpläne (z.B. in Studium und Ausbildung) nicht tun können. Moral ist in! In Deutschland herrscht eine vergleichsweise positive Grundstimmung zu zivilgesellschaftlichen Engagement. Nur die Angebote sind in der Relation zur Nachfrage eben noch rar.

Damit scheinen mir die Aufgaben für Kurzzeit-Engagierte wohl die höchste Hürde für die Realisierung der mobilen Freiwilligenarbeit – wie übrigens auch zur Realisierung von Online- und speziell Mico-Volunteering. Nicht nur einmal habe ich hier im Blog festgestellt, dass es in deutschen NPOs am modernen Freiwilligenmanagement hapert, das Freiwillige nicht selten als kostenlose Dienstleister missverstanden werden, die mit Goodies gelockt und bei der Stange gehalten werden, das sich viele Haupt- und Ehrenamtliche gar nicht vorstellen können (oder wollen) mit sporadischen Volunteers zusammen zu arbeiten und sich die Denkschemata — die mentalen Modelle — des Ehrenamts recht veränderungsresistent zeigen. Hier liegt also die Herausforderung, die es anzugehen gilt.

Wie ließe sich mobiles Ehrenamt in Deutschland realisieren?

Ich persönlich bin nicht bereit zu glauben, der ‚Markt‘ des Ehrenamts müsse durch den Wettbewerb um Freiwillige bereinigt werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich traditionsreiche Freiwilligenorganisationen weiterentwickeln können und künftig auch neue Formen des freiwilligen Engagements möglich machen werden. Ich weiß aber auch, dass das im Moment noch Zukunftsmusik ist. Die neuen Formen des freiwilligen Engagements — wie die des mobilen Online-  und Micro-Volunteerings — entwickeln sich zunächst in den avantgardistischen Nischen des Freiwilligensektors; Nischen, die von Initiativen mit wenig Budget und viel Kreativität besetzt werden. Leider ohne viel Aufhebens darum zu machen, werden hier neue Formen des freiwilligen Engagements praktiziert, die nach einer gewissen Zeit von größeren und besser ausgestatteten Organisationen übernommen und angepasst werden und so in den Mainstream des Engagements eingehen.

Ohne das Ziel, die neuen Wege des freiwilligen Engagements aus den Augen zu verlieren, wäre demnach bei den kleinen Initiativen anzusetzen, die als Pioniere den Weg für die ‚großen Tanker‘ des Dritten Sektors ebnen. Ob sich allerdings genügend Initiativen finden, um eine Öffentlichkeit zu schaffen, die sich nicht ignorieren lässt, ist eine Frage, die der Versuch wird beantworten müssen. Ich bin gespannt.

Zeit wird’s! Vor 16 Jahren startete in den USA das “Virtual Volunteering Pilot Project”, nun geht in Deutschland die “ZiviCloud” an den Start. Im letzten Jahr — 15 Jahre nach dem Susan J. Ellis und Jayne Cravens das erste mal in den das Management von Online-Volunteers in den Blick nahmen — war auch in Deutschland und Österreich deutlich mehr Interesse am freiwilligen Online-Engagement zu verspüren als noch in den Jahren davor. Die TU-Dortmund und das DJI veröffentlichten erstmals eine Studie zum Online-Engagement von Teenagern, das DRK nahm das Online-Volunteering in seine Münsteraner Erklärung auf, das ÖRK veranstaltete sogar eine ganze Konferenz zu neuen Wegen des freiwilligen Engagements und auch im Kulturmagazin Bauerfeind (3sat), der Sat1-Morning-Show “WECK UP” und bei flux-FM war das Online-Volunteering Thema. Jetzt gilt es, nicht locker zu lassen.

Was ist Online- und Micro-Volunteering?

Das Online- und Micro-Volunteering beschreibt ganz schlicht den Weg, sich flexibel orts- und ggf. zeitunabhängig über das Internet für eine gute Sache einzusetzen; sowohl von zu Hause, von Arbeit aus oder mobil von unterwegs. Über das Internet können sich Menschen, denen die guten Erfahrungen des ‘giving back’ und der wirkungsmächtigen Teilhabe (‘making a difference’) bis her verwehrt blieben, für ihre Ziele und ihre Ideale — ihre Vorstellung von einer besseren Welt — engagieren. Nicht nur für Teenager, Studies und Berufseinsteiger ist das Online-Volunteering eine gangbare Alternative, auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderung bietet das Engagement über das Internet eine Möglichkeit, sich wie alle anderen auch in die Gesellschaft einzubringen.

Vorausgesetzt natürlich, es gibt auch was zu tun. Vorausgesetzt also es gibt klar definierte Aufgaben, die sich über das Internet erledigen lassen. Bisher finden sich in deutschsprachigen Engagement-Datenbanken nur wenige solche Aufgaben. Das liegt aber sicherlich nicht daran, dass es nichts zu tun gibt, sondern eher daran, dass bisher noch nicht explizit danach gefragt wurde. Der Computer gehört schon viele Jahre zum Alltag in nicht profitorientierten Organisationen (NPOs) und wird hier in Zukunft auch immer schwerer wegzudenken sein. Schon heute gilt es immer wieder Texte und Videos für die Webseite zu erstellen. Ein erster Tätigkeitsbereich für Online-Volunteers! Dabei brauchen auch Profis hin und wieder Rat in Sachen Recht und Gesetz, Marketing oder IT. Ein zweiter Tätigkeitsbereich für Online-Volunteers! Und schließlich wird es auch weiterhin gelten Veranstaltungen (on- und offline) zu organisieren. Ein dritter Tätigkeitsbereich für Online-Volunteers!

Das Projekt ZiviCloud

ZiviCloud steht sinnbildlich für die Vision einer neuen Zivilgesellschaft, in der sich Menschen individuell und flexibel für ihre Vorstellung einer besseren Welt engagieren. Als kleine Wassertröpfchen bilden sie eine riesige Wolke mit unscharfen Rändern und fließenden Grenzen. Wie kleine Wassertröpfchen verbinden sie sich zu immer größeren Tropfen die als Nieselregen, Sommerschauer oder heftiger Regenguss auf die Welt der Wirtschaft und der Politik niedergehen. Der flexible Weg des Online- und Micro-Volunteering macht es also vielen unterschiedlichen Menschen möglich, sich ganz individuell als größeres oder kleineres Tröpfchen — mit mehr oder weniger Ressourcen — in diese neue Zivilgesellschaft einzubringen.

Soweit die Vision, wo aber anfangen? Wie kann der deutsche Freiwilligensektor, der so stark mit unserer Kultur verwachsen ist, das schon so manche gute Idee scheiterte, zu so einer neuen Zivilgesellschaft ‘umgebaut’ werden? Ganz einfach: gar nicht! Ohne die Organisationen, die jetzt schon freiwilliges Engagement möglich machen, ohne die Menschen, die in ihrem Umfeld Projekte initiieren und umsetzen und vor allem ohne die Menschen, die auch von einer mächtigen Zivilgesellschaft träumen und sich dafür engagieren geht gar nichts. Deshalb muss auch die ZiviCloud mit genau diesen Menschen und ihren Organisationen entwickelt werden. Und so stelle ich mir das vor:

(1) Offene Struktur

Ohne nach den Aufgaben zu fragen, die sich über das Internet erledigen lassen, werden Engagements für Online-Volunteers im deutschsprachigen Europa weiterhin rar bleiben. Gibt es also Aufgaben, die Freiwilige über das Internet erledigen können? Wie können Online-Volunteers das jeweilige Projekt unterstützen, wie können sie sich einbringen? Ich habe diese Fragen schon sehr oft gestellt und häufig eine positive Antwort bekommen. Irgendwann habe ich aber festgestellt, dass das allein nicht ausreicht. Ganz im Sinne des structure follows function braucht es eine Struktur, die danach verlangt, dass man sich mit diesen Frage befasst. Eine Struktur, die selbstverständlich auf eine positive Antwort hofft, alles Weitere aber so offen hält, wie es nur irgendwie geht.

Mit dem Open Source Tool “Tasket” meine ich genau diese Struktur gefunden zu haben. Im Grunde handelt es sich dabei um ein Web-Tool für das Projektmanagement. Tasket erlaubt es allen Nutzer!nnen eigene Projekte anzulegen, Aufgaben dafür zu beschreiben und sie zu verwalten. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Projektmanagement-Tools: Die Projekte sind auch für nicht angemeldete Nutzer!nnen sichtbar und können mit einer eigenen URL über unterschiedliche Kanäle (Facebook, Twitter & Co.) verbreitet werden.

Die Eingabe ist sehr einfach gehalten: Für Projekte kann ein Titel, eine Beschreibung und ein Bild festgelegt werden. Alles zusammen wird auf der Webseite als eine Art Post-it dargestellt, der Interessierten auch einen Link zu ausführlicheren Projektbeschreibungen anbietet. An diese Projekt-Post-its lassen sich einzelne Aufgaben hinzufügen. Hierfür steht ein Eingabefenster ohne Zeichenbegrenzung und ein Drop-Down-Menü für die Angabe der geschätzten Arbeitszeit zur Verfügung (von 15 Minuten bis zu vier Stunden).

Angemeldeten Nutzer!nnen wird unterhalb der einzelnen Aufgaben, die als an das Projekt angehängt dargestellt werden, der Button “I’ll do it” (Ich mach’s) angezeigt. Entscheidet sich jemand, die jeweilige Aufgabe zu erledigen, klickt er den Button und bekommt sogleich auch eine “Exit-Strategie” angeboten: Links neben der Bestätigung “I’ve done it” (Erledigt!), erscheint ein anderer Button “Actually, I won’t do it” (Ach, doch nich!). Markiert ein Volunteer eine Aufgabe als “Done” muss das nur noch von der jeweiligen Projekt-Administration bestätigt werden, um in den persönlichen Counter und die Gesamtzahl erledigter Aufgaben einzugehen.

(2) Inkubation

Zwischen dem Vorsatz etwas tun zu wollen und dem tatsächlichen Handeln liegen manchmal Welten. Das gilt nicht nur für die vielen Millionen “Engagementwilligen”, die sich zukünftig “bestimmt” oder “eventuell” engagieren wollen. Das gilt auch für die vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die neue Unterstützer!nnen suchen und nicht selten auch von den Alternativen zum traditionellen Ehrenamt wissen. Mit Sicherheit lässt sich nicht sagen, warum die neuen Wege zum freiwilligen Engagement nicht schon lange beschritten wurden — geredet wurde ja schon viel. Ich vermute, es liegt ganz einfach daran, dass der Gedanke, man könne Unterstützung ‘aus dem Internet’ bekommen noch nicht in genügend Köpfen reift. Und hier sind wir bei der Inkubation, die man auch “Inception” nennen könnte:

Gute Beispiele, best practises, Vorbilder und prominente Fürsprecher sind die Instrumentarien, die für eine solche Inception nutzbar sind. Change Agents, Engagierte Menschen, die im Kontext ihrer Arbeit neue Wege beschreiten, gibt es bereits in einigen NPOs. Besonders diese Menschen waren es mit denen ich das Online-Volunteering in den letzten Jahren diskutiert habe und sicherlich auch noch weiter diskutieren werde. Und diese Menschen sind es auch, die als Vorbilder gute Beispiele und best practises liefern können. Ich bin mir sicher, dass sie die ersten sein werden, die ausprobieren, was mit Tasket jetzt schon geht und dann auch sagen, wo es Verbesserungsbedarfe gibt. Sie werden es auch sein, die ihren Kolleg!nnen, Freunden und Bekannten von der ZiviCloud berichten und so dazu beitragen ein Netzwerk auszubreiten, das einen guten Nährboden für die neuen Zivilgesellschaft bietet.

Wenn es aber auf der einen Seite darum geht, so vielen Menschen wie möglich den Gedanken ‘einzupflanzen’, Unterstützung in Form freiwilligen Engagements wäre auch über das Internet möglich, braucht es auf der anderen Seite allerdings auch die Unterstützer!nnen, die sich über das Internet engagieren. Auch diese Menschen gibt es, nur müssen sie auch auf die Engagements aufmerksam gemacht werden. Für die ZiviCloud wird es selbstverständlich einen Blog, einen Facebook- und einen Twitter-Kanal geben, das damit aber viele interessierte Online-Volunteers zu erreichen sind, glaube ich nicht. Viel eher werden die Projekte und Organisationen ihre Unterstützer!nnen in ihren eigenen Netzwerken finden — unter ihren Freunden und Followern auf Twitter, Facebook oder Google+. Die ZiviCloud soll keine Vermittlungsagentur für Online-Volunteers, sondern vor allem das Angebot einer offenen Struktur sein, die die Arbeit mit Online- und Micro-Volunteers einfacher macht.

(3) Verstetigung

Die ZiviCloud soll nicht nur ein Projekt sein, dass in 2013 oder 2014 abgeschlossen ist. Die ZiviCloud soll es länger geben. Sie soll kontinuierlich weiterentwickelt werden und muss selbstverständlich die Kosten ihres Betriebs decken. Dazu braucht es ein tragfähiges Geschäftsmodell — allein mit Spenden oder öffentlicher Förderung ist Zivilgesellschaft nicht zu machen. Bis jetzt gibt es dazu vor allem vage Ideen die es zwar noch nicht Wert sind, hier weiter ausgebreitet zu werden, die aber vermuten lassen, dass vieles möglich ist. Möglich sind selbstverständlich Kooperationen mit Finanziers aus der Wirtschaft, die das Online- und Micro-Volunteering fördern wollen (IBM würde doch gut passen – “Machen wir das Engagement ein bisschen smarter”), möglich ist auch die zeitweilige Förderung mit Stiftungsgeldern und möglich ist auch Spenden für den Betrieb der ZiviCloud einzuwerben. Außerdem sind auch Technik-Partnerschaften mit Unternehmen denkbar, die Men-Power in Form von Beratung und (IT-) Support garantieren. Möglich sind auch Medien-Partnerschaften, die die ZiviCloud bekannter machen …

Denkbar ist also so viel, wie es zu tun gibt. Ich freue mich über jeden Unterstützer und jede Unterstützerin, die ich für die ZiviCloud begeistern kann. Ich bin dankbar für jeden Gedanken, jeden Hinweis in den Kommentaren und natürlich auch für die Unterstützung, die ich bis jetzt bekam: Danke Stefan Jenker für die Installation der ersten Testversion des Tasket-Tools und Danke an Robert Dürhager, der die ZiviCloud vorerst auf seinem Server beherbergt. Vielen Dank auch an die ungenannten, die mir bis jetzt Mut gemacht haben. Ich hoffe, dass es so weiter geht; ich zähl’ auf euch 🙂

Update for my English speaking colleagues

Online- and Micro-Volunteering in the German speaking Europe

Since nearly four years I am speaking, blogging and teaching about Online- and Micro-Volunteering. Everytime next to my studies and often without earning any money (Sometimes people call me ‘pioneer’). One thing I learnd in this time is that you can talk and write a lot without making a big difference. If people should learn about the management of online-volunteers they have to work with online volunteers. In this regard the main problem is that we have no structure that asks nonprofit stuff for thinking about online volunteer tasks in the German speaking Europe.

Time for ZiviCloud – first German online volunteering web app

Via BrightWorks I found an open source tool that is free to use, simple to handle and (hopefully) good to adapt to the needs of German speaking users. Now I try to get it to the internet and start the first online volunteering web app for the German speaking Europe. Of course not by my self – hopefully with broad support of people that want to use the power of their communitys via online and mirco volunteering, from people that want to support the ZiviCloud in tecnical aspects (its a python based web tool) and of course from people that want to speak about this (in Germany) very new way to volunteer.

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