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Vor etwa einem Jahr habe ich hier im Blog zum ersten Mal über meine Arbeit im neu geschaffenen ‚Cluster‘ Soziale Innovation & Digitalisierung geschrieben. Ich habe immer noch keine Ahnung, was ein ‚Cluster‘ sein soll. Ich finde aber gut das es das gibt. Es ist ein sinnvolleres Wort als „Büro“. Bei einem „Büro für Soziale Innovation & Digitalisierung“ müsste ich automatisch an Zuständigkeit denken. Das hat in meinem alten Job – im „Büro für Internationale Freiwilligendienste“ – auch Sinn gemacht, die Zuständigkeit für soziale Innovationen und Digitalisierung aber lässt sich nicht zwischen vier Wänden einsperren. Es sind ja alle gefragt, die gesellschaftliche Transformation, die wir Digitalisierung nennen, mit Kreativität und Innovationsgeist, mit neuen Methoden und Denkweisen zu gestalten.

Was wir in unserem Cluster dazu beitragen können, ist Anregungen und Beispiele dafür zu poolen, sodass sich jedermann (und -frau) bedienen kann, um das eigene Themenfeld – ob das nun Kita oder Pflege, Jugendarbeit oder Behindertenhilfe ist – sinnvoll zu gestalten. Allein mit einem solchen Pool ist es freilich nicht getan! In der Praxis machen wir uns natürlich ‚zuständig‘ – vor allem dafür, den Wert alternativer Methoden oder Perspektiven, neuer Ansätze, Kooperationen und Netzwerkarbeit hervorzuheben und so auch zu pushen.

Ich sehe uns im Cluster Soziale Innovation & Digitalisierung schon als diejenigen, die ihre Anregungen und Beispiele, ihre Prototypen und Fuck-up-Cases in die Welt der Kitas oder Pflege, der Jugendarbeit oder Behindertenhilfe tragen. Das ist nicht immer (eigentlich nie) einfach! Zum Beispiel, weil wir auf gar keinen Fall sowas wie „Fuck-up-Case“ sagen dürfen …

Ansätze für Soziale Innovation

Über mein Verständnis von sozialer Innovation und ihrer gesellschaftlichen Verbreitung hatte ich hier im Blog geschrieben und mit Brigitte Reiser diskutiert. Mein Fazit: Soziale Innovation bezeichnet – wie auch die Digitalisierung – einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess, der auf allen Ebenen – vor allem aber vor Ort – gestaltet werden kann. Ein paar Werkzeuge für diese Gestaltungsaufgabe haben wir im vergangenen Jahr gesammelt, erprobt und entwickelt:

  • Um die Performance von Ideengebern und Projekt-Verantwortlichen bei ihren Präsentation zu verändern, um anzufangen Bulletpoint-Wüsten und Power-Point-Karaoke den Garaus zu machen, für größere Bilder und weniger Text auf den Vortragsfolien adaptieren wir Pecha Kucha als Vortragsmethode.
  • Um dem immer hohen Bedarf nach kollegialem Austausch gerecht zu werden, um der nur passiven Aufnahme von Input etwas entgegen zu setzen und Freak Events zum New Normal werden zu lassen, entwickeln wir das BarCamp zum MachCamp und verbreiten es als alternatives Tagungsformat im Verband.
  • Um unsere Arbeitsmittel – vom Teamblog über die Webseite bis zur Präsentation – bestmöglich zu entwickeln, um nicht erst im öffentlichen Betrieb die wesentlichen Anpassungen vornehmen zu müssen und nicht zuletzt um fatale System-Crashs zu vermeiden arbeiten wir mit Prototypen und der (mehr oder weniger) ausdrücklichen Bitte, sie kaputt zu machen.

Erwartungsgemäß kamen Methoden wie das BarCamp im vergangenen Jahr etwas besser an als Pecha Kucha oder Prototyping. BarCamps sind, wenn man so will, serienreif und stoßen in der Wohlfahrtspflege mittlerweile auf große Ressonanz. Die Adaption dieses Tagungsformates für das DRK ist demnach sehr vielversprechend, die Verbreitung im Verband deshalb aber nicht weniger herausfordernd. Ein BarCamp ist ein Do-it-yourself-Format, für das es keine reine Lehre gibt. Wenn wir also die Wirkung von Bar- oder MachCamps über die Verbandsstrukturen skalieren wollen, reicht es nicht, einmal jährlich eine neue Auflage des Cross Media Day zu feiern. Die neuen Auflagen müssen wir mit immer neuen Leuten, Organisatoren und Moderatoren feiern!

Für das Prototyping und Pecha Kucha müssen wir noch ein bisschen werben. Hier experimentieren wir mit Story-Telling und neuen Workshop-Formaten sowie Schreib- und Bildwerkstätten. Aktuell arbeiten wir hierfür an greifbaren Beispielen, wie einer neuen Webseite, und fordern in Fortbildungsveranstaltungen zu Pecha Kucha anstelle der immer gleichen Präsentationen heraus.  

Wege in der Digitalisierung

Zur Digitalisierung hatte ich vor einem Jahr geschrieben, dass die Wohlfahrtspflege hier noch ganz am Anfang steht. Ich hatte ernsthaft überlegt, ob ich das so schreiben kann, bin aber der Ansicht, dass alles andere gelogen wäre. Aktuelle Themen der digitalen Gesellschaft wie „Big Data“, “Blockchain” „künstliche Intelligenz“ und „Robotik“ liegen für die klassische Wohlfahrt noch in weiter Ferne. Verbessert hat sich nach meinem Eindruck allerdings das Verständnis von Social Media und den Möglichkeiten, mit der postenden und twitternden Crowd umzugehen (Stichwort: Social Media Policy). Das ist natürlich ein guter Zugang zur Digitalisierung, die ja in erster Linie wohlbedachter Organisationsentwicklung bedarf, zeigt aber eben auch, dass hier noch ein weiter Weg zu gehen ist.  

Es ist nicht einfach, Neugierde auf die Digitalisierung als vor allem technisch getriebene Transformation der Gesellschaft  zu wecken. Entweder, so mein Eindruck, weil die konkreten Veränderungen weit ab der Lebensrealität vieler Praktiker geschieht oder, weil ganz intuitiv unüberwindbare Blockaden gegen die bloße Möglichkeit eigener Veränderung in Stellung gebracht werden.

Ein möglicher Weg für uns wäre es freilich, Krisen heraufzubeschwören. Wer aber schon mal versucht hat, mit Führungskräften aus der Pflege über mögliche Disruptionen (z.B. durch das BUURTZORG-Konzept) zu diskutieren, wird wissen, dass der Verlass auf die Behäbigkeit des Systems beinahe grenzenlos ist. Viel sinnvoller scheint es mir deshalb, den Weg über die Mythen, Geschichten und Narrative zur Digitalisierung in der Wohlfahrtspflege zu gehen. Zum einen schaffen wir damit den Nährboden für Ressonanz in der Verbandskommunikation, zum anderen können wir so die konkreten Fragestellungen für die Organisationsentwicklung identifizieren.

Weiter geht’s

Das vergangene Jahr stand für mich ganz im Zeichen des Aufbruchs. Gemeinsam haben wir tolle Veranstaltungen, wie das Forum Soziale Innovation, Insight DRK und den Cross Media Day organisiert. Ich habe dabei viele Menschen getroffen, die sich sehr für die Innovationsförderung und Digitalisierung im DRK und in der Wohlfahrtspflege interessieren und aktiv mitmischen wollen. Ich habe aber auch Menschen kennen gelernt, die das alles doof finden und dafür auch interessante Argumente haben.

In unserem Cluster und mit unseren Kolleg!nnen aus dem Generalsekretariat haben wir im letzten Jahr einige Hebel für den Wandel im DRK ausprobiert und mit dem einen oder anderen auch etwas bewegt. Mit zahlreichen engagierten aus dem ganzen DRK und von allen Verbandsebenen  haben wir gezeigt, dass BarCamp im DRK richtig gut funktioniert. Die nominierten Teams aus dem Ideenwettbewerb haben gezeigt, dass Pecha Kucha ziemlich cool mit Wohlfahrtsthemen zusammengeht und nebenbei einen wunderbaren Abend bei „Insight DRK“ gestaltet. Wir basteln an Prototypen und sammeln gute Erfahrungen damit. Und auch wenn es manchmal schneller gehen dürfte kommen wir auch beim Thema Digitalisierung voran.

Alles in allem also liegt ein gutes Jahr hinter uns. Ich gehe fest davon aus, dass ein weiteres gutes folgen wird. Herausforderungen gibt es schließlich genug. Zum Beispiel würde ich sehr gern noch viel mehr von den digital Jedis und Intrapreneurs aus dem DRK und von anderswo hören und lesen. Aktuell ist dafür ein Webinar-Format in Planung und eine Mailing-Gruppe in der Testphase. So richtig viel Ressonanz kommt aber noch nicht. Habt ihr Tipps oder Hinweise? Immer gern rein damit in die Kommentare.

Was für eine Woche!! Es ist Sonntag, ich sitze auf meiner Couch. Leise läuft das Radio und ich schwelge so vor mich hin. Revue passieren lasse ich ein paar Schlaglichter aus der vergangenen Woche. Es war – zugegeben – so eine #lebenamlimit-Woche mit Konferenzen in Bonn und Berlin, haufenweise Krimskrams auf dem Schreibtisch und einer Geburtstagsfeier am Wochenende, die ich nicht verpassen wollte. Alles picke-packe voll also, wie das im Herbst oft so ist. Zwei Highlights allerdings unterschieden diese Woche von anderen Wochen im Herbst: der Projekte-Pitch für das Innovationslabor und der erste Cross Media Day des DRK.

Insight DRK – der Projekte-Pitch zum Innovationslabor

Vom Innovationslabor, diesem  drei-jähriges Lern- und Experimentierprojekt in der DRK-Wohlfahrtspflege, hatte ich ja hier schon berichtet und kurz den Auftakt sowie den Projekte-Pitch erwähnt. Der Auftakt zur Innovationsförderung im DRK – das Forum Soziale Innovation im Juni dieses Jahres – war schon richtig gut und vom Setting in einem der D-Spaces des HPI-Potsdam, mit 360-Stream und Video-Dokumentation für die DRK-Wohlfahrt auch sehr innovativ. Bei der Vorstellung der für das Innovationslabor des DRK nominierten Projekte am vergangenen Donnerstag im Quartier Zukunft der Deutschen Bank ging es allerdings noch einmal ganz anders zu!

Eingeladen hatten wir unter dem Motto „Insight DRK“, was, weil es für die Wohlfahrtspflege schon ziemlich Englisch ist, mit dem Untertitel „Ideen für soziale Innovation in der Sozialwirtschaft“ ‚übersetzt‘ wurde. Die zehn für das Innovationslabor nominierten Projekte sollten den Teilnehmenden aus der (Sozial-) Wirtschaft und dem Social Entrepreneurship authentische Einblicke in das DRK und die Gelegenheit bieten, mit Ideengebern und Innovatoren aus dem Verband ins Gespräch zu kommen.

Besonders an diesem Abend war nun, wie die nominierten Teams ihre Projektideen vorgestellt haben. Um zu lange Ergüsse über Unwesentliches zu vermeiden und mit zehn Projektvorstellungen einen kurzweiligen Abend zu gestalten, hatte ich die Nominierten Ende September gebeten, Präsentationen mit maximal 20 Powerpoint-Folien vorzubereiten, wobei jede Folie nur 20 Sekunden angezeigt wird. Die Idee dazu kam mir bei einem Pecha-Kucha-Abend im Heimathafen Neukölln, den ich äußerst kurzweilig fand. Alle Pecha-Kucha-Regeln allerdings wollte ich den Nominierten nicht zumuten. Es sollte schließlich viel Raum für kreative Ausgestaltung bleiben, der von den Teams auch gut genutzt wurde.   

Cross Media Day – das erste BarCamp im DRK

Der Cross Media Day am Samstag war das zweite Highlight dieser Woche. Auf BarCamps treibe ich mich nun schon seit einigen Jahren herum und ich habe auch schon den einen oder die anderen DRKler auf solchen „Unkonferenzen” getroffen. Im Verband allerdings ist dieses Format weitgehend unbekannt und blieb bislang entsprechend ungenutzt. Im Mai dieses Jahres stand nun aber die Entscheidung fest: Das soll sich ändern!

Mit dem Ziel Innovatoren, digital Interessierte und Social Media Kommunikatoren aus dem gesamten DRK zusammen zu bringen und zu praktischem do-it-your-self zu motivieren, haben wir – ein fünf-köpfiges Orga-Team und zahlreiche Helferinnen und Helfer aus dem DRK-Generalsekretariat – den ersten Cross Media Day des DRK auf die Beine gestellt. Auch keine ganz banale Sache! Etwa sechs Monate Vorbereitung und geduldiges Erklären des Formates sind zuvor ins Land gegangen – ohne die Unterstützung der ‚Führungsetage‘ und deren festen Willen, sich selbst auf ein solches Experiment einzulassen, wäre das nicht gelungen.

Den Cross Media Day am Samstag nun, werte ich als ein vollen Erfolg! Nebst BarCamp mit sportlich-disziplinierter Session-Planung (inkl. Begrüßung und Vorstellungsrunde nur 45 min!), 18 sehr unterschiedlichen und größtenteils sehr lebhafter Sessions sowie den üblichen Querelen (#WLAN) war unsere MachBar gut frequentiert. Hier konnten die Teilnehmenden unterschiedliche Techniken kennenlernen und selbst testen. Neben dem virtuellen Rettungswagen und einem kleinen VR-Spiel zu Forecast Based Financing, standen hier Foto-Bearbeitung und Videoschnitt, Mapping im Katastrophenschutz und Amazone Alexa zum Ausprobieren bereit. 

Weiter geht’s – und wie

Der Bedarf nach neuen Formaten des Austauschs und der Vernetzung ist im DRK riesengroß. Sowohl die persönlichen Gespräche mit den Nominierten bei Insight DRK als auch die Sessions auf dem Cross Media Day machten das deutlich. Ich bin mir sicher, dass wir diesen Weg auch weiter gehen sollten – nicht nur mit neuen Formaten für Präsenz-Veranstaltungen sondern auch in Video-Konferenzen und virtuellen Gruppen. Die auf dem Cross Media Day angebotenen Sessions geben uns wertvolle Anhaltspunkte dafür, welche Themen aktuell unter den Nägeln brennen.

Sicher wird dieser Weg nicht ohne Hürden sein, doch die ersten Schritte nicht zu gehen, weil die dritten, vierten oder fünften vielleicht ‚schwierig‘ sein könnten, finde ich ziemlich daneben. Genauso daneben übrigens wie den Versuch, Formate wie BarCamp oder Pecha-Kucha vollständig – so wie es vermeintlich ‚richtig‘ ist – auf das DRK und seine doch eigene Kultur zu übertragen.

Seit kurzem darf ich mich im DRK-Generalsekretariat auch beruflich mit Themen befassen, die mich hier im Blog schon länger beschäftigten. Seit 1. Februar arbeite ich im neu geschaffenen „Cluster“ soziale Innovation & Digitalisierung. Wem jetzt der Begriff „Cluster“ nichts sagt, sei getröstet: Ich bin mir dessen Bedeutung auch nicht 100%ig sicher. Für mich steht er bisschen für die Vision einer in sich stark vernetzten Organisation, die sich nur der Transparenz wegen noch im Medium eines Organigramms – also mit Bereichen, Teams und Sachgebieten, ähh!! „Clustern“ – darstellt, sich im Innern aber durch fluide Zusammenarbeit an den thematischen Schnittstellen der Fachgebiete auszeichnet.

Diese Vorstellung finde ich ziemlich spannend, zumal wir hier vom Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes sprechen – einer Organisation, die sich sonst recht ministerial gibt und auch kulturell entsprechend geprägt ist (so mit Dresscode und so). Persönlichi empfinde ich aktuell einen Flair, der in krassem Gegensatz zum traurigen Ambiente leerer werdender Flure in Zeiten personeller Konsolidierung des letzten Jahres steht. Ich hoffe dieser Eindruck hält noch ein bisschen an. Aktuell zumindest sieht es so, aus als stünde das Jahr 2017 für mich unter dem Motto „Aufbruch“.

Aufbruch

Jetzt gerade schreibe ich einen Blogpost über meine Arbeit im DRK-Generalsekretariat. Das habe ich noch nie gemacht und es fühlt sich wirklich wie ein Wagnis an. Jeden Satz lese ich zig-mal, um nicht versehentlich doch jemandem auf den Schlips zu treten … Doch wie dem auch sei! Ich habe mich dazu entschlossen, es einfach mal zu riskieren. Vielleicht fühlt es sich ja später gar nicht mehr so gewagt an, den Teil meines Stellenprofils zu „Netzwerkarbeit“ auf die Art mit Leben zu füllen, wie ich das mit meinem Blog und über Twitter nun bald schon zehn Jahre mache: Ich schreibe darüber, was ich tue und lerne und komme mit Leuten, die sich dafür interessieren ins Gespräch.

Wie gesagt, ich habe das die letzten Jahre meiner Freizeit so gemacht! Ob bei Twitter, auf Facebook bei Google+ oder Xing / LinkedIn habe ich mich mit Einblicken in meine tägliche Arbeit schwer zurück gehalten. Das soll sich ändern! Doch wie gibt man diesem privat-beruflichen Gezwitscher so einen Rahmen, dass sich auch andere Kolleg!nnen aus der Deckung trauen – Kolleg!nnen, die sich vielleicht erst seit Kurzem mit Social Media beschäftigen? Klar: Mit einer Social Media Policy und Unterstützungsangeboten auf dem Weg durch den Kulturschock Social Web. Beides nehmen wir im DRK-Generalsekretariat gerade leichtfüßig in Angriff.

Innovationslabor

Als einer von zwei Referenten DRK-Generalsekretariat, die sich in Vollzeit mit den Themen Soziale Innovation und Digitalisierung befassen, organisiere ich ein Innovationslabor – ein drei-jähriges Projekt zur Innovationsförderung. Im Grunde geht es dabei um die Identifizierung guter Rahmenbedingungen für soziale Innovation in der freien Wohlfahrtspflege beziehungsweise der Wohlfahrts- und Sozialarbeit im DRK. Keine ganz banale Angelegenheit! Zwar sind schon einige Eckpunkte wirksamer Innovationsförderung aus der Hochschulentwicklung der Literatur zum Social Entrepreneurship bekannt, doch vermute ich ganz stark, dass das Setting in der freien Wohlfahrtspflege doch ein etwas anderes ist, als das in der Szene der Social StartUps …

Aktuell stecke ich natürlich bis Oberkante Unterlippe in den Vorbereitungen. Im Sommer soll‘s los gehen: Die Auftaktveranstaltung wird hoffentlich der Knaller und bringt den Stein ins Rollen, sodass wir von Projektideen nur so überschüttet werden. Im Herbst dann die Pitches, zu denen hoffentlich viele interessierte Leute – und Förderer (!) – kommen werden, sodass auch Teams, die nicht ins Labor passen, ihre Chance bekommen. Und schließlich dann der Kick-Off mit den ausgewählten Projekten – Businessplanung, Meilensteine, Planung von Feebackloops … Mal sehen, was das Motto 2018 wird.

Digitalisierung

Was die Digitalisierung betrifft, haben meine Kollegin und ich es mit Grundlagenarbeit par excellence zu tun. Auch wenn gerade allerorten über „Wohlfahrt-“, „Sozialarbeit-“, „Schule-“, What-Ever-4.0 schwadroniert wird, steht die freie Wohlfahrtspflege noch ganz am Anfang. „Strukturierung von Nutzerdaten“? „Agiles Projektmanagement“? „Inbound Marketing“? „Plattformökonomie“? TEUFELSZEUG! Wo bleibt denn da das Zusammentreffen im realen Leben? Und denkt mal einer an den Datenschutz??

Viele der immer hilfloser anmutenden Einwände gegen die Digitalisierung – oder besser „Mediatisierung“ – sozialer Arbeit habe ich ganz ähnlich schon gehört. Unvergessen die Vereinsvorsteherin, die mich (erfolglos) über den unschätzbaren Wert des puren Naturerlebens aufzuklären versuchte und sich anschließend danach erkundigte, wie man denn für sowas junge Ehrenamtliche gewinnen könnte. Klar! Über die Eltern, die ihren Kindern sowas ‚verordnen‘. Aber auch die werden irgendwie immer weniger …

Digitalisierung ist für uns Teil des ständigen Kulturwandels, den man ertragen oder mitgestalten, nicht aber verhindern kann: Einstmals avantgardistische Kulturpraktiken (z.B. Twittern) werden von gesellschaftlichen Eliten adaptiert und sickern nach und nach durch den bürgerlichen Mainstream bis in die klassischen Milieus der Sozialarbeit. Hier – so mein Eindruck – werden sie dann kurzer Hand als deviante Verhaltensweisen (selten als echte Chance) identifiziert und mit sozialpädagogischem Handwerkszeug bis zur Unkenntlichkeit verformt. Macht keinen Spaß mehr aber Hauptsache sicher!

Potential

In all dem tollen Neuen, glaube ich, steckt einiges Potential. Ich finde es toll, dass einige Kolleg!nnen anfangen, mit Social Media zu experimentieren und dass das von der Leitungsebene auch gewollt ist. Ganz unabhängig von Fragen nach Arbeitszeit, finanzieller Gratifikation und dienstlicher Hardware macht es einen großen Unterschied, ob Social Media in einer Organisation nur geduldet oder wirklich gewollt ist. Ich freue mich auch, dass wir den lange überfälligen Social Media Policy Prozess jetzt nachholen und landauf landab dazu mit Interessierten ins Gespräch kommen.

Natürlich hat die Sache auch einiges Potential für Frustration. Die Zahlen der (Re)Tweet, Friends und Follower gehen nicht eben durch die Decke, die Zeit für Austausch und gemeinsames Lernen wird im normalen Arbeitsalltag immer knapp bemessen und wozu wir eine Social Media Policy brauchen, ist auch nicht allen klar. ‚Ein bisschen was vom Lohn ist halt immer auch Schmerzensgeld‘ pflegte mein jetzt ehemaliger Teamleiter bei solchen Gelegenheiten zu sagen und er hat Recht. Frust ist nicht schön, Scheitern macht keinen Spaß, gehört aber eben dazu.

tl;dr: Im DRK ist gerade Aufbruch. Weitere Infos folgen.

iIch weiß – oder bin mir zumindest sehr sicher –, dass es nicht allen Kolleg!nnen so geht wie mir! Von hoher Arbeitsbelastung und Unsicherheit ob der neuen Freiräume und Verantwortung ist dieser Tage immer wieder zu hören.

Als ich Ende Oktober für einen Beitrag auf www.heute.de gefragt wurde, ob die Freiwilligenarbeit über das Internet auch hier in Deutschland langsam Fuß fasst, konnte ich – wieder einmal – nur das übliche sagen: Online-Volunteers findet man in Deutschland vor allem in kleineren, häufig informellen Initiativen, außerhalb etablierter Freiwilligenorganisationen des Dritten Sektors. Das liegt zuweilen daran, dass diese schlicht auf das Internet angewiesen sind, weil sie keine eigenen Räumlichkeiten haben. Bisweilen hängt es aber auch damit zusammen, dass vor allem junge Menschen, die eben diese Initiativen mit ihrem Engagement tragen, das Internet viel häufiger als andere als geeignetes Werkzeug begreifen, mit dem sie effizient miteinander arbeiten und außenstehende Ressourcen einbeziehen können – selbst dann, wenn sie eigene Räumlichkeiten haben. In den (manchmal auch nur  impliziten) Strategien junger Engagement-Initiativen und Social Entrepreneurs hat die Social Media Kommunikation also recht häufig einen festen Platz und Stellenwert, in größeren, bisweilen hierarchisch übermäßig stark strukturierten, Dritt-Sektor-Organisationen dagegen, gibt es immer noch große Widerstände.

Gestiegenes Interesse neuen Wegen zum freiwilligen Engagement

Gleichwohl schien mir das Interesse an der Einbindung Freiwilliger über das Internet auch in etablierten Freiwilligenorganisationen – zumindest dem Gefühl nach – in 2011 deutlicher spürbar, als noch in 2010 oder 2009. In der Tat kann ich mich des Eindrucks schwer zu erwehren, dass das Aussetzen der Wehr- und Zivildienstpflicht eine Art Durchbruch für die aktive Suche nach neuen Wegen zum freiwilligen Engagement darstellte. Obgleich hier (auch wieder dem Gefühl nach) eher auf die kompensatorischen denn die beteiligenden Effekte freiwilligen Engagements geschielt wird, könnte man nun (zugegeben etwas höhnisch) sagen: Die Einsicht kommt spät, aber sie kommt.

Schon seit vielen Jahren wird immer deutlicher, dass sich etwas ändert und die heile Welt des Ehrenamtes nicht so bleibt wie sie ist. Aus der jüngeren Entwicklung sind an dieser Stelle sicherlich Helmut Klages und Thomas Gensicke mit ihrem Wertesurvey als Vorreiter zu nennen (siehe dafür Klages 2001). Darüber hinaus klingt auch der viel zitierte Band von Karin Behr, Reinhard Liebig und Thomas Rauschenbach zum „Strukturwandel des Ehrenamts“ von 2000 auch heute noch wie ein Aufruf, neue Wege für das freiwillige Engagement zu gestalten. Zudem hat auch die von der rot-grünen Bundesregierung 1999 eingesetzte Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ mit ihrer Arbeit Themen auf die Agenda der öffentlichen Diskussion gesetzt, die freiwilliges (oder bürgerschaftliches) Engagement zu einer Art Politikfeld quer durch alle Ressorts avancieren lässt (Speth 2011: 91ff.).

Online-Engagements im DRK

Nun will ich freilich nicht behaupten, dass das Online-Engagement zuvor niemanden interessiert hätte und es jetzt plötzlich in aller Munde wäre. Einerseits ist es immer noch nicht wirklich bekannt und andererseits gab und gibt es in beinahe jeder Organisation irgendjemanden, der oder die für neue Wege des freiwilligen Engagements offen ist. So z.B. Eckard Otte vom Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes. Bereits Ende 2009 kam ich als Referent über Herrn Otte das erste Mal mit dem DRK in Kontakt. Damals sprach ich in Düsseldorf über das Online-Volunteering als „grenzenloses Engagement“ und bekam eine gewisse Skepsis zu spüren. Zwei Jahre und eine Aussetzung der Wehr- und Zivildienstpflicht später wurde ich wieder vom Generalsekretariat des DRK eingeladen (diesmal von Ute Degel). In Münster sprach ich dann vor 150 (engagiert diskutierenden) ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden über freiwilliges Engagement mit Facebook & Co. – eine bemerkenswerte Entwicklung, wie ich finde; eine Entwicklung, der mit der „Münsteraner Erklärung“ Rechnung nun auch getragen werden soll.

Diese „Münsteraner Erklärung“ wurde auf dem „Zukunftskongress Ehrenamt und Freiwilligentätigkeit“ des Deutschen Roten Kreuzes vorgestellt und von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschrieben. Auch ich zeichnete diese Erklärung mit, in der m.E. einige wichtige Punkte für das DRK formuliert wurden. So soll das Ehrenamt hier u.a. sozial und kulturell offener und jünger werden und es sollen spontane Engagements möglich gemacht werden – auch über das Internet, ja sogar über das Smartphone … Da dieser Erklärungen allerdings noch Leben eingehaucht werden muss, ist selbstverständlich ein gesundes Maß der Skepsis angebracht. Es wird sich zeigen, ob das DRK seine Ambitionen diesbezüglich in Taten umsetzen kann.

Dass das Online-Volunteering im DRK prinzipiell möglich ist, steht für mich außer Frage. Einerseits berichtete mir Herr Otte bereits in 2009 von seinen ersten Versuchen der Zusammenarbeit mit einem Online-Volunteer und andererseits habe ich letzte Woche zusammen mit Klaus Tembrink – einem engagierten Webmaster aus dem DRK Kreisverband Borken – ein beispielhaftes Produkt Online-Engagement für www.engagiert-im-drk.de auf den Weg gebracht. Leider ist das Produkt – dessen Geschichte ich hier kurz noch erzählen will – wegen technischer Schwierigkeiten mit dem Webserver (höhere Priorität) noch nicht auf der Webseite zu sehen – kommt aber noch.

Online-Volunteering mit „WECK UP“

Es begann mit einem Anruf, der mich vorletzten Donnerstag (17. Nov. 2011) erreichte. Dran war eine junge Frau, die mich für die Sat1-Sendung „WECK UP“ (Sonntagmorgens 8 bis 9 Uhr) als Interviewpartner zur Freiwilligenarbeit über das Internet gewinnen wollte. Sie meinte, es sei ihr ein Anliegen nicht nur in der Theorie zu bleiben, sondern auch etwas Praktisches auszuprobieren – etwas, das man im Fernsehen (Sonntagmorgens auf Sat1) zeigen kann, etwas Bildstarkes mit überregionalem Bezug … ‚Uff‘ dachte ich bei mir, fand die Sache aber zu interessant als dass ich an dieser Stelle schon auf den in diesem Fall doch eher unattraktiven angelsächsischen Sprachraum verweisen wollte. Lieber wollte ich mal ausprobieren, wie ernst es dem DRK eigentlich mit dieser Münsterraner Erklärung ist. Ich erzählte davon und versprach mal den einen oder anderen Kontakt zu bemühen.

Die Sache war freilich denkbar knapp. Der Anruf erreichte mich am Donnerstag vorletzter Woche, kurz bevor ich zu einem Wochenendtrip nach Thüringen aufbrach. Das Interview sollte am Mittwoch vergangener Woche (23. Nov. 2011) geführt / gefilmt / geskyped werden und die Ausstrahlung folgte dann am Sonntag (27. Nov. 2011). So kurzfristig ein „beispielhaftes Online-Engagementangebot mit überregionalem Bezug“ aufzutreiben, dass zudem auch den Sat1-Frühaufsteher an der Mattscheibe halten könnte, war freilich eine große Herausforderung. Doch sind Herausforderungen ja dafür da gemeistert zu werden. In Absprache mit Eckard Otte und Klaus Tembrink strickte ich also ein beispielhaftes Engagementangebot, in dem es darum ging, Bilder von Auslandseinsätzen eines DRK-Freiwilligen (das war in diesem Fall Claus Muchow) für eine barrierefreie Bilderstrecke zu präparieren. Das Engagementangebot in seiner Rohform sah dann so aus:

Attraktivität:

Wollen Sie erfahren, was Freiwillige des Deutschen Roten Kreuzes im Auslandseinsatz machen und uns gleichzeitig bei unserer barrierefreien Internetkommunikation unterstützen?

Ausstattung:

Haben Sie einen Computer mit Internetanschluss, ein Schreib- und ein Bildbearbeitungsprogramm und etwa eine Stunde Zeit?

Dann könnte folgende Aufgabe als “Online-Volunteer” genau das richtige für Sie sein:

Aufgabe:

Formatieren Sie zehn bis 15 Bilder aus unserem Fundus so, dass sie in einer Bilderstrecke zur DRK-Arbeit im Auslandseinsatz dargestellt  werden können (96 dpi / Breite: 1000 pixel)/

Beschriften Sie die Bilder, sodass auch Menschen mit Sehbehinderung erfahren können, was die Freiwilligen des DRK im Ausland tun (Bildinformationen in jeweils einigen kurzen Sätzen in ein extra    Worddokument)

Senden Sie uns Ihr Arbeitsergebnis und erlauben Sie uns Ihre Arbeit auf den Webseiten des DRK zu verbreiten.

Aufwendung:

Wenn Sie mögen wird Ihr Name, wie auch den des Fotografen, immer mit dem fertigen Produkt genannt und ggf. Ihre Webseite verlinkt.

Ansprechpartner:

Interessierte Freiwillige unterstützt Klaus Tembrink DRK, Borken, Röntgenstr. 6, Tel. 02861-8029 337 k.tembrink[at]kv-borken.drk[dot]de

Mittlerweile haben wir natürlich auch schon das fertige Ergebnis, das alsbald von Herrn Tembrink auf www.engagiert-im-drk.de veröffentlicht wird, hier aber auch zu bestaunen sein soll. Euch lade ich an dieser Stelle herzlich ein, unsere „barrierearme Bilderstrecke“ zu testen und fleißig Feedback und Verbesserungsvorschläge in den Kommentaren zu posten. Die Barrieren für Menschen mit Sehbehinderung aus dem Weg zu räumen könnte schließlich eine Aufgabe für sporadisch engagierte Online-Volunteers werden.

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